Vielleicht warst du meine Dualseele – aber nicht mein Zuhause

Veröffentlicht am 22. Februar 2026 um 18:03

Ein Leserinnenbrief an Liebenswert Abroad

 

Ich habe lange gezögert, diesen Brief zu schreiben.

Nicht, weil ich nichts zu sagen hätte.

Eher weil ich Angst hatte, dass mir jemand erklären würde,

dass das, was ich erlebt habe, „nur ein Trauma-Bond“ war.

Und vielleicht war ein Teil davon genau das.

Aber es war auch mehr.

Ich habe diesen Mann nicht einfach getroffen.

Ich habe ihn erkannt.

Es war, als hätte mir meine innere Stimme gesagt

"Dich kenne ich. Dich habe ich schon immer gekannt."

 

Wir konnten stundenlang schweigend nebeneinandersitzen

und es fühlte sich nach so viel mehr an als jedes Gespräch.

Wenn er mich ansah, hatte ich das Gefühl,

er sieht nicht nur mein Gesicht.

Ich  hatte das Gefühl, er sieht mein Inneres.

Ich weiß, wie das klingt.

Aber jede hochsensible Frau weiß,

dass es solche Begegnungen gibt.

Die Magie war real und der Schmerz auch,

denn unsere Beziehung war intensiv.

Wenn ich zurückblicke und ehrlich zu mir bin, dann war sie zu intensiv.

Nähe fühlte sich wie Erlösung an.

Distanz wie ein Entzug.

Ich habe Dinge ausgehalten,

die ich heute keiner Freundin raten würde.

Und doch konnte ich nicht gehen.

 

Nicht, weil ich schwach war.

Sondern weil ich glaubte,

diese Verbindung sei größer als wir beide.

Eine Seelenverbindung.

Eine Dualseele.

Etwas, das uns über dieses Leben hinaus verbindet.

Und trotzdem war es einfach nicht gesund.

Ich habe mich verloren.

Meine Grenzen. Meine Stimme. Mein Körpergefühl.

Und irgendwann wurde mir klar, dass eine Verbindung tief sein kann und

trotzdem verletzend.

Vielleicht warst du meine Dualseele.

Aber du warst nicht mein Zuhause.

Und das zu erkennen,

war schmerzhafter als jede Trennung.

 

Aber weißt du was? Ich glaube immer noch an Seelenverbindungen.

Das ist mir wichtig.

Ich glaube nicht,

dass alles nur Biochemie ist.

Ich glaube an diese stillen Wiedererkennungen.

An dieses Gefühl, wenn du einfach weißt "Das hier ist bedeutend".

Aber ich glaube heute auch, dass nicht jede bedeutende Verbindung dafür gedacht ist,

dass wir in ihr bleiben.

Manche kommen, um uns zu öffnen. Und manche, um uns zu lehren,

wo wir uns selbst verlassen.

 

Ich habe viel zu diesem Thema gelesen und nachgedacht, reflektiert, analysiert.

Dieser Gedanke ist irgendwie hängengeblieben:

Vielleicht ist das die eigentliche Seelenreise.

Nicht die Suche nach der einen Person.

Sondern die Rückkehr zu mir.

Und vielleicht war dieser Mann,  

auf seine schmerzhafte, magische Weise

genau der, der mich dorthin geführt hat.

 

Redaktionelle Einordnung 

 

Manche Verbindungen lassen sich nicht in Kategorien pressen.

Für viele hochsensible Frauen fühlen sich tiefe Begegnungen gleichzeitig spirituell, schicksalhaft  und schmerzhaft an. Dieser Leserinnenbrief erinnert daran, dass wir nichts von der Magie wegnehmen müssen, um ehrlich hinzusehen.

Tiefe Resonanz kann sowohl Seelenverbindung als auch Trauma-Bindung berühren und manchmal sogar beides zugleich.

 

Wenn du dieses Thema aus unterschiedlichen Perspektiven weiter erkunden möchtest,

findest du hier begleitende Texte:

 

Warum deine Dualseele sich wie Heimat anfühlte, als du keine hattest

 

Twin Flames and Trauma Bonds – wenn Nähe dich bindet statt befreit

 

Warum kann ich meine Dualseele nicht vergessen?

 

Emotional Exile – wie Migration das Nervensystem hochsensibler Frauen verändert

 

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