Umgang mit Kritik: Warum hochsensible Mütter so tief reagieren – und wie du gelassen bleibst
Vielleicht hast du auch schon mal gegoogelt, warum Kritik dich so trifft…
Ich erinnere mich noch genau an eine Zeit, in der mich ein einziger kritischer Kommentar tagelang aus der Bahn geworfen hat. Ein Satz – und mein ganzes System war in Alarmbereitschaft.
Ich habe nicht nur darüber nachgedacht.
Ich habe ihn durchgefühlt, analysiert, zerlegt..
auf der verzweifelten Suche nach dem Punkt, an dem ich es hätte besser machen müssen.
Heute weiß ich: Das war kein „zu sensibel sein“.
Das war ein Nervensystem, das gelernt hatte, sich an äußeren Bewertungen zu orientieren, um sicher zu bleiben. Und genau das betrifft viele hochsensible Mütter.
Die eigentliche Frage ist also nicht: „Wie gehe ich besser mit Kritik um?“
Sondern: „Wie bleibe ich bei mir, wenn es im Außen laut wird?“
Warum Kritik dein System so tief trifft
Hochsensible Frauen nehmen nicht nur Worte wahr.
Sie spüren Stimmungen, Zwischentöne und unausgesprochene Erwartungen.
Kritik ist für dich also nicht nur Information. Sie ist ein körperliches Erleben.
Typische Reaktion im Nervensystem:
- Anspannung („Ich habe etwas falsch gemacht“)
- innere Unruhe („Ich muss das klären“)
- Gedankenkreise („Warum trifft mich das so?“)
Was viele nicht wissen:
Das ist kein persönliches Versagen.
Das ist eine Stressreaktion deines Systems.
Wenn du tiefer verstehen möchtest, wie dein Nervensystem in solchen Momenten reagiert, findest du hier einen Überblick: Nervensystem verstehen & regulieren
Der Wendepunkt: Nicht jede Kritik gehört zu dir
Einer der wichtigsten Schritte war für mich diese Erkenntnis, dass nicht jede Kritik für mich bestimmt ist. Manche Aussagen sind einfach Projektionen, Unsicherheiten anderer oder schlicht unterschiedliche Wahrnehmungen.
Das heißt nicht, dass jede Kritik falsch ist, aber sie ist auch nicht automatisch Wahrheit.
Und vor allem...sie ist nicht automatisch deine Verantwortung.
5 Wege, um mit Kritik umzugehen – ohne dich selbst zu verlieren
1. Spüre zuerst – bewerte später
Bevor du analysierst, frage dich: Was passiert gerade in meinem Körper?
Allein dieses Innehalten bringt dein System aus der Reaktion zurück in die Wahrnehmung.
2. Unterscheide klar: Feedback oder Grenzverletzung
Nicht jede Kritik ist gleich.
Konstruktiv → hilft dir zu wachsen
Toxisch → macht dich klein
Ein einfacher Filter: Fühlst du dich nach dem Gespräch klarer oder verunsicherter?
3. Du musst dich nicht erklären
Das ist für viele ein Gamechanger: Du darfst stehen bleiben, ohne dich zu rechtfertigen.
Nicht jede Diskussion verdient deine Energie und nicht jede Meinung braucht deine Antwort.
4. Verantwortung zurückgeben
Ein Satz, der vieles verändert: „Das gehört nicht zu mir.“
Du bist nicht verantwortlich für:
- die Emotionen anderer
- ihre Erwartungen
- ihre Bewertungen
5. Regulieren statt analysieren
Das ist der Punkt, den die meisten übersehen.
Du kannst Kritik nicht „wegdenken“, wenn dein Nervensystem im Stress ist.
Du musst es beruhigen, z.B. durch bewusstes Atmen, kurze Rückzugsräume oder
sanfte Körperwahrnehmung.
Wenn du merkst, dass dich Kritik länger beschäftigt, findest du hier Räume, die dich genau dabei unterstützen: Nervensystem-Hilfe & Regulationsräume
Wenn Kritik alte Wunden berührt
Manche Reaktionen sind stärker als andere.
Das liegt oft daran, dass Kritik etwas berührt, das viel älter ist:
- das Gefühl, nicht zu genügen
- Angst vor Ablehnung
- alte Erfahrungen von Anpassung
Gerade nach intensiven Lebensphasen – wie Schwangerschaft oder Geburt – ist dein System oft besonders feinfühlig.
Wenn du dich darin wiedererkennst, kann dieser Artikel für dich hilfreich sein:
Wenn nach dem Baby die Leere kommt
Fazit: Du musst nicht härter werden – nur klarer
Es wird immer Menschen geben, die bewerten, kommentieren oder zweifeln.
Das Problem ist nicht die Kritik, es ist die Verbindung, die du ihr gibst.
Du darfst lernen:
- zu hören, ohne alles aufzunehmen
- zu fühlen, ohne dich zu verlieren
- zu bleiben, auch wenn es im Außen unruhig wird
Und vielleicht ist genau das der eigentliche Weg:
Nicht weniger sensibel zu werden, sondern stabiler in dir selbst.
Autorin: Bettina Müller-Farné - Herausgeberin des Liebenswert-Magazins