„Die Gebärmutter ist der Sitz der Seele.“
Dieser Satz taucht oft genau dann auf,
wenn uns eigentlich die Worte fehlen.
Nicht als feste Wahrheit.
Eher wie ein Versuch.
So ein Satz, den man sagt und denkt:
Irgendwie passt das … auch wenn ich nicht erklären kann, warum.
Er begegnet mir oft in Gesprächen mit Frauen.
Im Kinderwunsch.
Nach einer Geburt.
Nach einem Verlust.
Oder in diesen Momenten, in denen der Körper plötzlich stärker reagiert als jeder kluge Gedanke.
Und dann sitzt man da und denkt:
„Warum fühlt sich das alles so tief an? So körperlich?“
Also greifen wir nach Bildern.
Und manchmal eben nach diesem.
„Vielleicht … ist das ja der Sitz der Seele.“
Ein bisschen tröstlich.
Und gleichzeitig ganz schön schwer.
Ist die Gebärmutter wirklich der Sitz der Seele?
Wenn wir streng biologisch draufschauen: nein.
Die Seele hat keine Adresse.
Kein Organ.
Kein Schildchen mit „Hier wohne ich“.
So funktioniert der Körper nicht.
Und trotzdem wäre es zu einfach, diesen Gedanken einfach wegzuwischen und zu sagen:
„Ach, Quatsch.“
Denn dieser Satz entsteht nicht aus Esoterik.
Er entsteht aus Erfahrung.
Aus Momenten, in denen wir spüren:
Hier drin passiert gerade mehr, als ich logisch erklären kann.
Vielleicht liegt die Wahrheit ...wie so oft...irgendwo dazwischen.
Nicht magisch.
Nicht mystisch.
Sondern ziemlich menschlich.
Die Gebärmutter ist kein Sitz der Seele.
Aber sie ist ein Ort im Körper,
an dem sich seelische Prozesse oft besonders deutlich zeigen.
Fein.
Sensibel.
Reagierend.
Wie ein sehr empfindliches Barometer für unser Innenleben.
Nicht Zauberei.
Eher: Nervensystem in High Definition.
Warum genau dieser Körperraum so sensibel ist
Ehrlich gesagt...dafür braucht es gar keine Mystik.
Sondern nur Leben.
Dieser Bereich ist mit so vielen existenziellen Erfahrungen verbunden:
Hoffen. Warten. Schützen. Loslassen. Binden. Abschied nehmen.
Das sind keine „kleinen Gefühle“.
Das sind die ganz großen.
Kein Wunder also, dass der Körper dort schneller reagiert als unser Kopf hinterherkommt.
Viele Frauen kennen das.
Ein Ziehen, wenn etwas unausgesprochen bleibt.
Ein Druck, wenn man eine Entscheidung zu lange mit sich herumschleppt.
Diese seltsame Leere nach einem Abschied, für den es keine passenden Worte gibt.
Nicht, weil der Körper „Botschaften sendet“.
(Schön wär’s manchmal, dann könnten wir ihn einfach fragen.)
Sondern weil er einfach mitfühlt.
Er ist Teil der Geschichte.
Natürlich reagiert er.
So wie man nach einem guten Weinen Kopfschmerzen hat.
Oder vor Aufregung Bauchweh.
Ganz unspektakulär.
Und genau deshalb so echt.
Wo der Mythos kippt und warum Druck nichts heilt
Schwierig wird es erst, wenn aus diesem Bild plötzlich eine Aufgabe wird.
Wenn Frauen anfangen zu denken:
„Ich muss da noch etwas lösen.“
„Da sitzt bestimmt etwas fest.“
„Ich sollte das heilen.“
Und zack ... da haben wir ein neues Projekt.
Als hätten wir nicht eh schon genug.
Ganz ehrlich? Die meisten von uns brauchen nicht noch eine Baustelle im eigenen Körper.
Heilungsdruck kommt selten laut daher.
Er flüstert.
In gut gemeinten Tipps.
In „Du musst nur noch …“-Sätzen.
In Ritualen, die versprechen, endlich etwas „in Ordnung“ zu bringen.
Und plötzlich fühlt sich der eigene Körper an wie eine To-do-Liste.
Nicht besonders entspannend.
Dabei braucht es oft gar nichts zu reparieren.
Vielleicht braucht es nur etwas, das sagt:
Du darfst so sein. Auch mit dieser Geschichte. Auch mit diesen Spuren.
Nicht alles, was wehgetan hat, ist kaputt.
Manches ist einfach erlebt.
Und Leben hinterlässt eben Spuren.
Zum Glück.
Vielleicht reicht ein anderer Blick
Vielleicht müssen wir gar nicht entscheiden,
ob die Gebärmutter nun der „Sitz der Seele“ ist oder nicht.
Vielleicht reicht es zu verstehen, warum dieser Satz überhaupt entstanden ist.
Weil Frauen gemerkt haben: Hier fühle ich besonders viel.
Nicht mehr.
Aber auch nicht weniger.
Wenn wir das Bild als Sprache sehen (nicht als Wahrheit), verliert es seinen Druck.
Dann darf jede Frau selbst spüren:
Nähe. Distanz. Verbundenheit.
Oder auch einfach: gar nichts.
Alles ist erlaubt.
Und vielleicht ist das genug
Am Ende geht es gar nicht um die Seele.
Und auch nicht um ein bestimmtes Organ.
Sondern um etwas viel Einfacheres:
Wie gehe ich mit meinem Körper um?
Kann ich ihm zuhören, ohne ihn zu bewerten?
Kann ich ihn ernst nehmen, ohne ihn zu überhöhen?
Kann ich ihm erlauben zu reagieren, ohne sofort etwas „lösen“ zu wollen?
Vielleicht ist genau das die sanfteste Form von Heilung.
Kein Reparieren.
Kein Optimieren.
Nur ein leises: Ich bin da. Und ich bin auf meiner Seite.
Und manchmal...ganz ehrlich...ist das schon mehr als genug.
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Manche Themen lassen sich nicht „lösen“.
Sie wollen eher begleitet werden.
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(Hintergrundwissen, Einordnung & sanfte Impulse)
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(geführte Quiet Rooms – wenn Worte nicht mehr helfen)
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Aber vielleicht ist etwas dabei, das dich heute ein Stück trägt.
FAQ
Was bedeutet der Satz „Die Gebärmutter ist der Sitz der Seele“?
Der Satz beschreibt keine biologische Tatsache, sondern eine symbolische Erfahrung. Viele Frauen nutzen ihn, um intensive Körper- und Gefühlserfahrungen in Worte zu fassen.
Ist es wissenschaftlich korrekt, die Seele in der Gebärmutter zu verorten?
Nein. Die Seele hat keinen festen Ort im Körper. Der Gedanke ist kulturell und symbolisch geprägt, nicht medizinisch.
Warum reagieren viele Frauen emotional über den Unterleib?
Weil dieser Körperraum eng mit Erfahrungen wie Bindung, Schutz, Verlust und Veränderung verbunden ist. Reaktionen entstehen aus Erleben...nicht aus Magie.
Kann Ritualarbeit helfen, ohne etwas „heilen“ zu müssen?
Ja. Rituale können Halt und Orientierung geben, ohne Reparatur- oder Heilungsdruck zu erzeugen, wenn sie bewusst und achtsam eingesetzt werden.
Autorin: Bettina Müller-Farné - Herausgeberin des Liebenswert-Magazins
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