Nicht alles braucht sofort ein Ziel – Imbolc und die Kraft des Dazwischen

Imbolc bezeichnet eine Übergangszeit zwischen Winter und Frühling – eine Schwellenzeit, in der sich etwas bewegt, ohne bereits sichtbar zu sein.

 

Vielleicht fühlst du dich gerade so, als müsstest du wissen, wohin etwas geht.

Als wäre da eine leise innere Unruhe, ein Drängen nach Klarheit und gleichzeitig keine echte Antwort.

Nicht still.

Nicht entschieden.

Nicht bereit, benannt zu werden.

Nur dieses Gefühl: Etwas ist in Bewegung.

 

Genau hier liegt die Qualität von Imbolc.

Nicht als Fest, das gefeiert werden muss.

Eher als Zeit, die etwas erlaubt, was wir sonst nur schwer aushalten...das Dazwischen.

 

 

Warum Übergänge sich so schwer anfühlen

 

Unser inneres System liebt Ziele.

Ziele geben Richtung. Sie erzeugen Sicherheit. Sie beruhigen.

Übergänge tun das Gegenteil.

Sie entziehen uns die Gewissheit, wohin etwas führt. Sie fordern Präsenz, ohne einen Plan zu liefern. Und genau deshalb fühlen sie sich oft instabil an...obwohl sie es nicht sind.

In Übergangszeiten ist nichts falsch.

Aber auch noch nichts fest.

Das macht sie unbequem. Und gleichzeitig enorm kraftvoll.

 

 

Imbolc ist kein Neubeginn

 

Imbolc wird oft als „Lichtfest“ oder „Startpunkt des Frühlings“ beschrieben. Doch diese Deutung greift zu kurz und erzeugt unnötigen Druck.

Imbolc ist kein Aufbruch.

Es ist keine Einladung zur Entscheidung.

Und schon gar kein Moment für Zieldefinitionen.

Imbolc liegt zwischen:

  • zwischen Rückzug und Erwachen,
  • zwischen Dunkelheit und erstem Licht,
  • zwischen dem, was war und dem, was noch keinen Namen hat.

 

Wer diese Zeit zu früh in einen Neubeginn verwandeln will, unterbricht einen Reifungsprozess.

 

 

Die Qualität des Dazwischen

 

Im Altirischen bedeutet Imbolc sinngemäß: „im Bauch“.

Ein starkes Bild.

Denn im Bauch entsteht nichts unter Beobachtung.

Nichts unter Erwartung.

Nichts unter Leistungsdruck.

Reifung braucht Schutz.

Stille.

Zeit ohne Etikett.

Alles, was zu früh benannt wird, wird oft kleiner.

Alles, was zu schnell entschieden wird, verliert Tiefe.

Das Dazwischen ist kein leerer Raum.

Es ist ein Raum ohne Forderung.

 

 

Warum „noch nicht wissen“ Stabilität sein kann

 

Viele Frauen spüren in dieser Zeit eine innere Wachheit. Nicht als Klarheit...mehr wie ein feines Gespür. Als würde etwas sortiert, ohne dass man aktiv eingreifen muss.

 

Und genau hier liegt die oft übersehene Stärke von Übergangszeiten:

Wenn nichts entschieden werden muss, darf sich das System regulieren.

Nicht, weil es ruhig sein soll.

Weil es nicht gedrängt wird.

 

Manchmal ist das Stabilste, was wir tun können, nichts zu beschleunigen.

 

Wenn etwas leise wächst

 

Vielleicht ist diese Zeit nicht dafür da, etwas zu beginnen.

Vielleicht ist sie auch nicht dafür da, etwas loszulassen.

Vielleicht ist sie einfach dafür da, nichts zu stören, was gerade leise wächst.

Imbolc erinnert uns daran, dass Entwicklung nicht immer sichtbar ist.

Und dass Bewegung nicht immer Richtung braucht.

Auch das ist eine Form von Vertrauen.

 

 

Wenn du in einer Zwischenzeit bist

 

Manche Phasen lassen sich nicht ordnen.

Nicht beschleunigen.

Nicht entscheiden.

 

 

Wenn du dich gerade genau dort befindest, könnten diese Räume dich leise begleiten:

 

Gestaltete Stille – Texte für Zeiten, in denen nichts gelöst werden muss

 

Schlaf & Nervensystem – Warum Übergänge sich oft zuerst nachts zeigen

 

Quiet Rooms – ruhige Räume für Momente, in denen Worte zu viel sind

 

 

Du musst nichts tun.

Es reicht, zu wissen: Du bist nicht falsch in dieser Zeit.

 

Weiterlesen:

 

Eine Übergangszeit ist eine Phase, in der sich etwas verändert,

ohne bereits klar oder abgeschlossen zu sein.

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Autorin: Bettina Müller-Farné - Herausgeberin des Liebenswert-Magazins

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