Immer wieder bekomme ich Nachrichten wie diese:
„Bettina, ich habe ständig das Gefühl, auf der Hut zu sein. Ich schrecke bei jedem Geräusch hoch. Bin ich traumatisiert? Habe ich PTBS? Oder ist das einfach nur Hochsensibilität?“
Vielleicht stellst du dir genau dieselbe Frage.
Und vielleicht macht sie dir auch ein bisschen Angst.
Ich möchte dich heute beruhigen: Nein, Hypervigilanz und PTBS sind nicht dasselbe.
Aber es lohnt sich, den Unterschied zu kennen – gerade dann, wenn du eine sensible Frau bist, die viel wahrnimmt und sich selbst manchmal kaum versteht.
Was ist PTBS – und warum darüber so viele Mythen kursieren
PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) klingt erst mal groß und schwer.
Und ja, es ist ein anerkanntes Krankheitsbild, das nach sehr belastenden Erlebnissen entstehen kann.
Typische Merkmale sind:
- Wiedererleben: Flashbacks, Albträume, Bilder, die plötzlich hochkommen.
- Vermeidung: Situationen oder Gefühle, die zu nah am Trauma sind.
- Negative Gedanken: Schuld, Scham, das Gefühl „mit mir stimmt was nicht“.
- Übererregung: Schlafprobleme, innere Unruhe, Schreckhaftigkeit.
Aber: Nicht jede Frau, die wachsam oder angespannt ist, hat PTBS.
Und nicht jede Form von Übererregung bedeutet gleich „Trauma“.
Hypervigilanz – wenn dein Körper im Dauer-Alarm-Modus ist
Hypervigilanz ist etwas anderes.
Das Wort klingt kompliziert, beschreibt aber ein ganz alltägliches Gefühl: ständig auf Habacht sein.
- Du hörst das kleinste Knacken.
- Dein Körper reagiert sofort mit Anspannung.
- Dein Kopf scannt permanent: „Bin ich hier sicher?“
Viele meiner hochsensiblen Leserinnen beschreiben das so: „Ich kann einfach nicht runterfahren. Selbst wenn nichts los ist, spüre ich diese innere Alarmbereitschaft.“
Das ist Hypervigilanz.
Und ja, sie tritt oft bei PTBS auf ...aber auch bei Angststörungen, ADHS oder bei Hochsensiblen in stressigen Phasen.
Der Unterschied – einfach erklärt
Ich erkläre es gern mit einem Bild:
👉 PTBS ist wie eine ganze Grippe.
👉 Hypervigilanz ist wie das Fieber.
Du kannst Fieber mit Grippe haben – aber auch ohne. Genauso kannst du Hypervigilanz mit PTBS haben oder eben ohne.
Das heißt: Nur weil du hypervigilant bist, heißt das nicht automatisch, dass du eine PTBS hast.
Warum gerade hochsensible Frauen oft so reagieren
Als hochsensible Frau nimmst du einfach mehr wahr: Geräusche, Blicke, Spannungen, unausgesprochene Worte. Du verarbeitest tiefer, intensiver, länger.
Das ist wunderschön, weil es dir Tiefe, Intuition und Empathie schenkt.
Aber: Dein Nervensystem braucht mehr Pausen.
Wenn die fehlen, kippt es.
Und dann fühlt sich deine Feinfühligkeit nicht mehr wie Stärke an, sondern wie Dauer-Alarm.
Das ist kein „Defekt“.
Es ist ein Hinweis deines Körpers: „Bitte, ich brauche Sicherheit. Ich brauche Ruhe.“
Was dir im Alltag helfen kann
Ich möchte dir ein paar kleine Dinge mitgeben, die viele meiner sensiblen Frauen nutzen, wenn Hypervigilanz gerade stark ist:
Orientieren: Schau dich im Raum um und benenne 5 Dinge, die du siehst, 4, die du hörst, 3, die du fühlst … so holst du dein Nervensystem ins Jetzt.
Boden spüren: Stell die Füße fest auf den Boden und atme tief in den Bauch. Stell dir vor, wie du Wurzeln schlägst.
Aromatherapie: Ein Tropfen Lavendel oder Neroli kann wie ein „Sicherheitsanker“ wirken.
Schütteln: So wie Tiere nach Gefahr. Einfach mal Arme und Beine ausschütteln – hilft, Stress abzubauen.
Nähe: Ein vertrauter Mensch oder auch dein Haustier – Co-Regulation beruhigt oft schneller als jede Technik.
Und: Wenn du merkst, dass dich diese Alarmbereitschaft dauerhaft erschöpft, dann darfst du dir Unterstützung holen. Das ist kein Zeichen von Schwäche ...sondern von Stärke.
Wenn dein Nervensystem gerade nicht mehr mitmacht: Hier beginnt die Entlastung.
Fazit
PTBS und Hypervigilanz werden oft in einen Topf geworfen, aber sie sind nicht dasselbe.
PTBS ist ein ganzes Krankheitsbild, Hypervigilanz ein Symptom.
Und ja, es kann zusammen auftreten, aber nicht jede Frau, die ständig angespannt und auf Habacht ist, hat automatisch PTBS. Was du spürst, ist vor allem eins: dein Nervensystem, das Schutz und Ruhe braucht.
Gerade als hochsensible Frau darfst du lernen, auf diese Signale zu hören – nicht mit Angst, sondern mit Fürsorge. Deine Feinfühligkeit macht dich nicht schwach, sondern stark.
Aber sie will Rahmen, die dir Sicherheit geben.
Wenn du merkst, dass dich deine innere Alarmbereitschaft immer wieder erschöpft, habe ich etwas für dich:
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Manchmal ist es genau das, was dein Körper braucht: loslassen, was ihn unbewusst festhält.
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FAQ
Ist Hypervigilanz immer ein Zeichen für PTBS?
Nein. Sie kann auch bei Hochsensibilität, Angststörungen oder ADHS auftreten.
Wie fühlt sich Hypervigilanz an?
Wie Dauer-Alarm: angespannt, leicht zu erschrecken, nie ganz zur Ruhe kommend.
Wie kann ich sie beruhigen?
Mit Grounding, Atemübungen, sicheren Routinen, kleinen Ritualen – und manchmal mit professioneller Unterstützung.
Was ist der Unterschied zwischen Hochsensibilität und PTBS?
Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal. PTBS ist eine Traumafolge. Hypervigilanz kann in beiden Kontexten vorkommen – aber die Ursachen sind unterschiedlich.
💡 Mein Tipp: Wenn du spürst, dass dich deine innere Alarmbereitschaft belastet, schau dir gern auch meinen Artikel zu Hypervigilanz & Hochsensibilität an – dort findest du noch mehr Ideen für den Alltag.
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