Ein mentales Modell, das erklärt, warum „alles richtig machen“ manchmal trotzdem nicht reicht
Es gibt Frauen, die wissen mehr über ihren Zyklus als über ihre Lieblingsserie.
Sie kennen ihre Werte, ihre Phasen, ihre fruchtbaren Tage.
Sie haben gelesen, gefragt, optimiert, gehofft.
Und trotzdem passiert nichts.
Wenn du selbst im Kinderwunsch bist, kennst du diesen Moment vielleicht:
Du sitzt irgendwo zwischen Hoffnung und Erschöpfung und fragst dich leise:
„Was mache ich falsch?“
Diese Frage ist so verständlich.
Und gleichzeitig ist sie oft die falsche.
Nicht, weil du „richtig“ oder „falsch“ denken müsstest.
Sondern weil der Kinderwunsch selten dort scheitert, wo wir ihn suchen.
Der Denkfehler, über den kaum jemand spricht
In unserer Welt werden Probleme gelöst, indem man sie analysiert.
Man sammelt Informationen, entwickelt Strategien, bleibt dran.
Das funktioniert bei Projekten.
Bei Prüfungen.
Bei beruflichen Zielen.
Und deshalb ist es nur logisch, dass viele Frauen ihren Kinderwunsch genau so behandeln:
- sie optimieren Abläufe
- sie planen, messen, vergleichen
- sie fragen sich: „Was kann ich noch tun?“
Das ist nicht falsch.
Aber es ist unvollständig.
Denn Schwangerschaft entsteht nicht in einem Projektplan.
Sie entsteht in einem Körper.
Und Körper folgen anderen Gesetzen als To-do-Listen.
Zwei Systeme, die gleichzeitig wirken
Ein Denkmodell aus der mentalen Kinderwunschvorbereitung kann hier Ordnung schaffen.
Nicht als Lösung, sondern als Erklärung.
Stell dir vor, in deinem Körper wirken zwei Systeme gleichzeitig:
System 1: das lösende System
und
System 2: das empfangende System
Beide sind intelligent.
Beide haben ihre Aufgabe.
Aber sie sprechen nicht dieselbe Sprache.
Und genau hier entsteht oft das Missverständnis.
System 1: Das lösende System – vertraut, aktiv, sichtbar
Das lösende System ist der Teil in dir, der handeln will.
Er ist wach, organisiert, informiert.
Er liebt:
Pläne, Struktur, Kontrolle, Fortschritt
Dieses System sagt:
„Wenn ich genug weiß, genug tue, genug dranbleibe – dann wird es klappen.“
Und weißt du was?
In vielen Lebensbereichen stimmt das sogar.
Deshalb ist dieses System nicht dein Gegner.
Es ist engagiert.
Es meint es gut.
Aber:
Es ist nicht das System, das über Empfängnis entscheidet.
System 2: Das empfangende System – leise, körperlich, oft übergangen
Das zweite System arbeitet völlig anders.
Es ist nicht laut.
Es meldet sich nicht mit klaren Gedanken, sondern mit Empfindungen.
Dieses System steuert:
dein Nervensystem, dein Sicherheitsgefühl, unbewusste Schutzmechanismen, die Frage: „Ist es jetzt sicher?“
Und diese Frage meint nicht nur äußere Sicherheit.
Sondern innere.
Sicherheit im Körper.
Im Alltag.
Im emotionalen Raum.
Für hochsensible Frauen ist dieses System besonders fein eingestellt.
Ihr Nervensystem nimmt mehr wahr.
Reagiert schneller.
Schützt früher.
Das ist keine Schwäche.
Es ist eine Form von Intelligenz.
Warum Stillstand oft Schutz ist...nicht Versagen
Wenn das empfangende System „Nein“ sagt, dann tut es das nicht aus Trotz.
Auch nicht aus Angst, die „überwunden“ werden müsste.
Es sagt Nein, wenn es Unsicherheit wahrnimmt.
Unsicherheit kann vieles sein:
- Dauerstress
- ungelöste Übergänge
- innere Überforderung
- alte emotionale Themen, die nicht laut sind, aber wirksam
Der Körper fragt nicht:
„Willst du ein Kind?“
Er fragt:
„Ist es sicher, jetzt Leben zu öffnen?“
Und wenn diese Frage nicht eindeutig mit Ja beantwortet wird, bleibt er vorsichtig.
Das ist kein Defekt.
Das ist Schutz.
Wenn beide Systeme gegeneinander arbeiten
Hier liegt der Kern des Problems:
Viele Frauen trainieren fast ausschließlich System 1.
Sie optimieren, planen, hoffen – und übergehen dabei System 2.
Das lösende System wird immer aktiver.
Das empfangende zieht sich immer weiter zurück.
Und irgendwann fühlt sich alles an wie:
„Ich mache so viel – und mein Körper macht nicht mit.“
Dabei arbeiten sie nicht gegeneinander.
Sie sprechen nur nicht miteinander.
Wenn du gerade zwischen Kontrolle und Hoffnung pendelst:
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Ein neues Denkwerkzeug statt noch mehr Druck
Dieses mentale Modell verändert nicht deinen Körper.
Aber es verändert deinen Blick.
Statt dich zu fragen:
„Was fehlt mir noch?“
kannst du beginnen zu fragen:
„Welches System führt gerade?“
„Welches kommt nicht zu Wort?“
„Wo übergehe ich leise Signale, weil sie nicht effizient sind?“
Das ist kein Aufruf, etwas zu tun.
Sondern eine Einladung, zuzuhören.
Viele Frauen berichten, dass allein dieses Verstehen etwas in ihnen entspannt.
Nicht, weil plötzlich alles gut ist.
Sondern weil Schuld verschwindet.
Mehr Orientierung rund um Kinderwunsch & Nervensystem findest du hier.
Warum dieses Modell entlastet
Dieses Denkwerkzeug nimmt:
- den Leistungsdruck
- das Gefühl des persönlichen Versagens
- die Idee, der Körper sei „gegen einen“
Es ersetzt sie durch etwas anderes:
- Verständnis
- Würde
- Selbstkontakt
Und genau das ist oft die Voraussetzung dafür, dass sich überhaupt wieder etwas öffnen kann.
Ein leiser Hinweis auf mögliche Vertiefung
Manche Frauen spüren an diesem Punkt:
„Ich verstehe das...aber ich brauche Raum, um es wirklich zu leben.“
Programme wie die Edition Empfängniswunder sind letztlich genau solche Anwendungsräume:
keine Optimierung, sondern ein behutsames "Wieder-in-Beziehung-Bringen" dieser beiden Systeme.
Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen.
Zum Abschluss – etwas, das du dir merken darfst
Vielleicht ist dein Körper nicht langsam.
Vielleicht ist er nicht blockiert.
Vielleicht ist er nicht kaputt.
Vielleicht wartet er nicht auf mehr Anstrengung.
Sondern auf Sicherheit.
Und das ist keine Schwäche.
Das ist Weisheit!
Manches lässt sich verstehen –
und manches braucht einen Raum, um überhaupt wahrgenommen zu werden.
Das empfangende System, von dem wir hier sprechen, reagiert nicht auf Argumente.
Es öffnet sich nicht durch Analyse.
Es zeigt sich dort, wo es ruhig wird.
Genau dafür gibt es die Kinderwunsch-Quiet Rooms.
Sie sind keine Methode.
Kein Training.
Keine mentale Aufgabe.
Sondern kurze, geschützte Räume, die sich nicht an das lösende System richten,
sondern an den Teil, der Sicherheit braucht.
Viele Frauen nutzen sie nicht, um „etwas zu erreichen“,
sondern um ihrem Körper für einen Moment zu signalisieren:
Du musst gerade nichts leisten.
Und manchmal ist genau das der Anfang von etwas Neuem.
Für Momente, in denen Verstehen nicht reicht –
und Ruhe wichtiger ist als Antworten.
Autorin: Bettina Müller-Farné - Herausgeberin des Liebenswert-Magazins
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