Warum hochsensible Schwangere nachts so oft wach sind

 

Hochsensible Schwangere sind nachts oft wach, weil ihr Nervensystem stärker auf Reize, Veränderungen und Stress reagiert. Schwangerschaft verstärkt körperliche Signale und emotionale Verarbeitung, wodurch der Körper leichter im Alarmmodus bleibt. Sanfte Nervensystem-Regulation ist oft wirksamer als klassische Einschlafmeditationen.

 

Wenn du nachts um 2:47 Uhr wach bist und dich fragst, ob du die einzige bist: nein.

 

Ich weiß noch genau, wie ich damals im Bett lag. Der Bauch war noch nicht riesig, die Schwangerschaft war „eigentlich“ unkompliziert und trotzdem: Ich war nachts wach.

Nicht einmal kurz.

Sondern richtig wach.

Mit diesem merkwürdigen Gefühl, als hätte jemand in meinem Körper das Licht angeschaltet, obwohl draußen alles dunkel war.

Und das Gemeine war: Tagsüber konnte ich mir selbst erklären, dass ich einfach „nervös“ bin.

Dass es normal ist.

Dass Schwangerschaft eben anstrengend ist.

Aber nachts...nachts war es wie ein Verhör.

Mein Kopf wurde zum Gerichtssaal, mein Körper zum Zeugenstand, und mein Nervensystem zum Sicherheitsdienst, der bei jedem kleinsten Geräusch „Achtung!“ ruft.

 

Ich habe so viele Einschlaf-Audios ausprobiert.

Abendmeditationen, „positive Geburtsaffirmationen“, sanfte Musik, Meeresrauschen, Regen, binaurale Beats, irgendwelche Engelschöre (ja, ich war verzweifelt).

Und oft war es so: Ich wurde kurz ruhig und dann war es wieder da.

Dieses innere Wachsein.

Dieses feine, unerbittliche Registrieren.

Als würde mein Körper jede Veränderung, jedes Ziehen, jede Bewegung, jede Stimmung, jeden Gedanken sofort in HD abspielen.

 

Was ich damals noch nicht so klar hatte:

Viele hochsensible Schwangere sind nachts nicht „schlafgestört“, weil sie unfähig wären zu entspannen. Sie sind nachts wach, weil ihr System zu gut funktioniert – nur eben in einem Modus, der nicht zu einem Bett passt.

 

Und ja: Du musst nicht wissen, ob du „hochsensibel“ bist, um dich hier wiederzuerkennen.

Es reicht, wenn du spürst, dass du anders bist.

Dass du mehr nachdenkst, feiner fühlst, schneller überreizt bist.

Dass dein Inneres nicht einfach auf „Aus“ geht, nur weil die Uhr sagt, es wäre jetzt Schlafenszeit.

 

Warum Schwangerschaftsschlaf wirklich schlechter wird

 

Das Erste, was ich dir sagen will: Du bist nicht allein. Schlafprobleme in der Schwangerschaft sind häufig, besonders in der späteren Schwangerschaft. Eine große Meta-Analyse fand für das dritte Trimester eine Insomnie-Prävalenz von rund 42 %.

Und eine andere systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass „schlechte Schlafqualität“ im Verlauf der Schwangerschaft zunimmt und im dritten Trimester im Schnitt bei etwa 60 % liegt. 

 

Das ist wichtig, weil hochsensible Frauen sich nachts oft zusätzlich fertig machen:

„Warum kann ich nicht einfach schlafen wie andere?“

Spoiler: Viele andere schlafen eben auch nicht. Sie reden nur weniger darüber oder werten es weniger.

 

Aber jetzt kommt das, was für sensible Nervensysteme den Unterschied macht:

Bei Hochsensibilität (oder sagen wir neutraler: bei hoher sensorischer Empfänglichkeit) ist Schlaf nicht nur eine Frage von „Müdigkeit“. Schlaf ist eine Frage von Reizverarbeitung.

 

 

Der unsichtbare Grund: Dein Nervensystem ist nachts nicht leer – es räumt auf

 

Viele Einschlafprogramme tun so, als würdest du nachts einfach „abschalten“.

Nur: Ein sensibles Nervensystem schaltet nicht ab.

Es sortiert. Es verarbeitet. Es integriert.

Und Schwangerschaft ist dabei wie ein Dauer-Update deines gesamten Systems.

Der Körper ist in Umbau. Hormone verändern sich.

Der Kreislauf verändert sich. Die Atmung verändert sich.

Dein Bauch verändert sich. Die Bewegungen im Inneren verändern sich.

Und parallel laufen emotionale Prozesse, die du tagsüber vielleicht wegdrückst, weil du funktionieren musst: Verantwortung, Sorge, Vorfreude, Identität, Kontrollverlust, Bindung, Vergangenheit, Erwartungen.

 

Nachts ist weniger Ablenkung da.

Und deshalb wirkt es, als würde deine Angst „plötzlich“ auftauchen...dabei ist sie oft nur nicht mehr übertönt.

 

Die Geburt ist noch gar nicht da, und trotzdem trainiert dein System schon das, was später Muttersein ist: ein permanentes „Scannen“. Hören. Spüren. Prüfen. Deuten.

 

In der Fachsprache würde man bei Schlafproblemen oft von Hyperarousal sprechen, also einem erhöhten inneren Aktivierungszustand. Bei hochsensiblen Menschen kann das noch schneller passieren, weil sie stärker auf Stress reagieren und genau das wurde auch in aktueller Forschung zur sensorischen Verarbeitungssensitivität diskutiert:

Schlafprobleme hängen dort oft mit sogenannter Schlafreaktivität zusammen, also der Neigung, bei Stress leichter Schlafstörungen zu entwickeln. 

 

Das ist ein Satz, den viele Frauen zum ersten Mal hören und der entlastet:

Nicht „mit mir stimmt was nicht“, sondern: „Mein System reagiert stärker und deshalb brauche ich andere Hebel.“

 

 

Was Hochsensibilität nachts verstärkt

 

Ein zweiter unterschätzter Punkt: Schwangerschaft verändert auch deine Stresshormon-Landschaft. Cortisol – unser bekanntestes Stresshormon – steigt im Verlauf der Schwangerschaft insgesamt an; der Tagesrhythmus bleibt zwar grundsätzlich erhalten, aber bei schlechter subjektiver Schlafqualität kann der Abendcortisolspiegel höher sein und der normale Abfall über den Tag gestört wirken.

 

Übersetzt in Menschensprache: Wenn dein Tag voll war (innerlich oder äußerlich), kann dein System abends schlechter „runterfahren“. Und wenn du dann nachts aufwachst, ist es manchmal nicht einfach ein „kurzes Aufwachen“, sondern ein echtes Wiederhochfahren.

 

Jetzt kommt der Part, den hochsensible Schwangere oft besonders spüren:

Viele von uns sind nicht nur körperlich wach. Wir sind gedanklich wach.

Wir fangen an zu analysieren, zu planen, zu prüfen.

Wir machen mental eine Liste ...und das Gehirn liebt Listen, weil sie nach Kontrolle riechen.

Aber Kontrolle ist in der Schwangerschaft… ein bisschen wie ein Regenschirm im Sturm:

nett gemeint, aber du wirst trotzdem nass.

 

 

Warum dein Nervensystem nicht „abschaltet“

 

Und ja: Es gibt klassische, handfeste Schwangerschaftsgründe, die den Schlaf stören.

In der Literatur werden im dritten Trimester zum Beispiel körperliche Beschwerden, häufiges Wasserlassen, kindliche Bewegungen, Reflux/ Sodbrennen und Beinbeschwerden als häufige Auslöser beschrieben.

Auch Fachinformationen für Patientinnen betonen, dass in der Schwangerschaft hormonelle Veränderungen sowie körperliche Faktoren den Schlaf beeinflussen können. 

 

Nur ist das bei hochsensiblen Frauen selten „nur“ körperlich.

Es ist körperlich plus Verarbeitung.

Ein nicht sensibles Nervensystem denkt: „Ich muss auf Toilette, dann schlafe ich weiter.“

Ein sensibles Nervensystem denkt: „Ich muss auf Toilette… und jetzt spüre ich wieder alles… und wenn ich wieder nicht einschlafe, bin ich morgen kaputt… und wenn ich morgen kaputt bin, wie soll ich…“

Und zack: bist du wach.

 

 

Der unterschätzte Trigger: Restless Legs (und warum das nachts so fies ist)

 

Es gibt noch einen Grund, der besonders nachts zuschlägt und oft viel zu spät erkannt wird: Restless-Legs-Syndrom (RLS). Das kann in der Schwangerschaft häufiger auftreten; Studien zeigen je nach Untersuchung Prävalenzen grob im Bereich von 10–34 % bei Schwangeren. RLS ist eine häufige Ursache von Ein- und Durchschlafproblemen in der Schwangerschaft. 

Warum ich das erwähne? Weil hochsensible Frauen manchmal denken, sie hätten „nur innerliche Unruhe“, dabei ist es körperlich: ein Ziehen, Kribbeln, ein unangenehmer Bewegungsdrang in den Beinen, der erst abends richtig aufflammt. Und wenn du dann zusätzlich sensibel auf Körperempfindungen reagierst, wird aus „unangenehm“ schnell „unerträglich“.

 

Wichtig: Das gehört ärztlich abgeklärt, besonders im Zusammenhang mit Eisenstatus.

In einer Übersichtsarbeit zur Behandlung von RLS in Schwangerschaft wird z. B. beschrieben, dass Eisensupplementation bei niedrigen Ferritinwerten empfohlen werden kann.

(Bitte nicht auf eigene Faust dosieren, aber als Hinweis: Es ist real, es ist häufig, und es ist behandelbar.)

 

Warum Einschlafmeditationen oft nicht helfen

 

Jetzt kommen wir zu dem Teil, bei dem ich damals dachte, ich wäre „komisch“: Ich hörte diese wunderschönen Meditationen und fühlte mich danach manchmal sogar schlimmer.

Nicht, weil sie schlecht waren. Sondern weil sie nicht zu meinem Zustand passten.

Viele Meditationen arbeiten mit großen Bildern, großen Gefühlen, großen Sätzen. „Du sinkst in ein Meer aus Ruhe.“ „Du lässt alle Gedanken ziehen.“ „Du vertraust dem Fluss des Lebens.“

Wenn dein System aber gerade auf Alarm steht, dann sind solche Sätze wie Parfum im Feueralarm. Nett, aber wirkungslos.

Oder sogar triggernd, weil ein Teil in dir denkt: „Ich kann das nicht. Bei mir funktioniert das nicht.“

 

Was hochsensible Schwangere nachts oft brauchen, ist nicht „Spiritualität“.

Sie brauchen Regulation.

Und Regulation ist klein.

Körpernah. Konkret. Unromantisch.

Ein bisschen wie Erste Hilfe.

Du brauchst Sätze, die nicht verlangen, dass du dich anders fühlst, sondern die deinem Körper erlauben, einen Gang runterzuschalten.

Du brauchst nicht „Liebe und Licht“.

Du brauchst einen Satz wie: „Du musst gerade nichts lösen.“

Oder: „Dein Körper darf schwer werden, auch wenn dein Kopf noch wach ist.“

Und vor allem brauchst du Anleitung, die nicht im Kopf passiert, sondern im Körper.

 

 

Was bei mir den Unterschied gemacht hat (und warum daraus die Quiet Rooms Nachtedition entstanden)

 

Ich habe irgendwann aufgehört, nach dem „schönsten Einschlafaudio“ zu suchen. Ich habe angefangen, nach dem zu suchen, was in mir tatsächlich reagiert.

Und was ich bemerkt habe: Ich war nachts nicht nur wach.

Ich war angespannt.

Und ich war angespannt, weil mein Nervensystem nicht wusste, ob es sicher ist, loszulassen.

 

Hochsensibilität bedeutet oft: Du registrierst mehr potenzielle „Gefahren“.

Nicht nur im Außen, sondern auch im Innen.

Ein Ziehen im Bauch? „Ist das normal?“

Ein Gedanke über die Geburt? „Was, wenn…?“

Eine Erinnerung? „Oh nein.“

 

Die Quiet Rooms Nachtedition entstand aus dieser sehr nüchternen Erkenntnis:

Ich brauchte etwas, das mich nicht „besser fühlen“ will, sondern mich in einen Zustand bringt, in dem Schlaf überhaupt wieder möglich wird.

 

Keine langen 40-Minuten-Reisen. Keine Überforderung.

Kein Anspruch, dass du danach „glücklich einschläfst“.

Sondern: ein ruhiger Raum, in dem dein Körper merkt:

„Ah. Ich muss nicht weiter scannen. Jemand hält hier kurz mit.“

 

Und ja...ich schreibe das als Autorin, die nachts oft schlecht geschlafen hat.

Nicht als jemand, der vom hohen Ross sagt: „Mach doch mal Atemübungen.“

Ich habe das alles gemacht.

Ich habe geatmet, visualisiert, manifestiert, gezählt, Tee getrunken, Lavendel gerochen, Apps ausprobiert, Kursprogramme gekauft und am Ende gemerkt:

Nicht alles, was „entspannend“ klingt, ist auch regulierend.

 

Wenn du nachts wach liegst, geht es oft nicht darum, dass du zu wenig Disziplin hast.

Es geht darum, dass du tagsüber zu viel getragen hast.

Viele hochsensible Schwangere sind Meisterinnen im Funktionieren.

Sie wirken ruhig, freundlich, „im Griff“.

Und nachts kommt die Rechnung. Nicht moralisch. Biologisch.

Dein Körper ist kein Feind. Er ist ein Protokoll.

Er zeigt dir, was du übergangen hast.

 

Und ich sage das liebevoll, aber klar: Wenn du dir nachts immer wieder beweisen willst, dass du „es auch ohne Hilfe schaffst“, bezahlst du später einen Preis.

Schlaf ist keine Wellness. Schlaf ist Nervensystempflege.

 

 

Und was heißt das jetzt - jenseits von Gefühl?

 

Fakt: Schlafprobleme sind in der Schwangerschaft häufig und nehmen gegen Ende zu. 

Fakt: Schlechter Schlaf hängt mit Stressregulation zusammen; Cortisol und Schlafqualität können miteinander verbunden sein. 

Fakt: RLS ist in der Schwangerschaft relativ häufig und kann massiven Schlafverlust verursachen; Eisenstatus spielt in der klinischen Einordnung eine Rolle. 

Fakt: Menschen mit hoher Sensitivität zeigen in Studien Zusammenhänge zwischen Sensitivität, Stress und Schlafproblemen...über Schlafreaktivität.

 

Viele hochsensible Schwangere behandeln nächtliches Wachsein wie ein Denkproblem („Wie schalte ich Gedanken aus?“). Dabei ist es oft ein Zustandsproblem („Wie komme ich von Alarm in Sicherheit?“). Wenn du den Zustand nicht veränderst, wirst du den Kopf nicht überreden.

Der Kopf folgt dem Körper...nicht andersrum.

Das ist die eigentliche Ursache dafür, dass so viele „Einschlafmeditationen“ scheitern.

Sie arbeiten oben. Du brauchst etwas, das unten ansetzt.

 

 

Ein wichtiger Hinweis

 

Wenn deine Schlafprobleme sehr stark sind, du tagsüber kaum noch funktionierst, du dich dauerhaft ängstlich oder niedergeschlagen fühlst, oder wenn körperliche Symptome dazukommen (z. B. starkes Schnarchen mit Atemaussetzern, heftige Beinbeschwerden, starke innere Unruhe): Bitte hol dir medizinische Unterstützung.

Schlaf ist in der Schwangerschaft nicht „Luxus“, und manchmal steckt etwas dahinter, das man gezielt behandeln sollte. (Das hier ist eine Einordnung und Begleitung – keine Diagnose.)

 

Wenn du heute Nacht wieder wach wirst…

 

…dann will ich dir einen Satz dalassen, den ich selbst gebraucht hätte:

Du musst die Schwangerschaft nicht „durchhalten“.

 

Du darfst dich begleiten lassen.

Und wenn du merkst, dass du genau so jemand bist, die nachts wach wird, weil sie zu viel spürt, zu viel denkt, zu viel trägt...dann ist das kein Makel.

Es ist eine Stärke mit einem Preis. Und du darfst diesen Preis senken.

 

Wenn du nachts oft wach wirst: Im Liebenswert Magazin findest du ruhige Räume zur Nervensystem-Regulation

 

FAQ

 

Ist es normal, in der Schwangerschaft nachts ständig wach zu sein?

 

Ja. Und du bildest dir das nicht ein. Viele Schwangere schlafen schlechter als sonst – besonders im zweiten und dritten Trimester. Dein Körper arbeitet rund um die Uhr: Hormone verändern sich, dein Kreislauf passt sich an, dein Baby bewegt sich, und dein Nervensystem verarbeitet eine enorme Umstellung. Dass du nachts öfter wach wirst, ist deshalb nicht automatisch ein Warnsignal...sondern oft ein ganz normales Zeichen dafür, dass in dir gerade sehr viel passiert.

 

Warum trifft es hochsensible Schwangere oft besonders stark?

 

Weil du nicht nur „müde“ bist, du bist reizoffen. Hochsensible Frauen nehmen körperliche Empfindungen, Geräusche, Stimmungen und innere Spannungen intensiver wahr. Das heißt: Du wachst nicht nur auf, weil du zur Toilette musst oder dein Baby sich bewegt – du wachst auf und spürst danach alles. Und genau dieses „Alles spüren“ macht es schwer, wieder in den Schlaf zurückzufinden. Nicht weil du schwach bist, sondern weil dein System fein arbeitet.

 

Ich bin nicht sicher, ob ich hochsensibel bin – passt der Artikel trotzdem zu mir?

 

Absolut. Viele Frauen wissen gar nicht, dass es dafür einen Begriff gibt. Sie spüren nur: „Ich bin anders.“ Sie denken mehr nach, hinterfragen mehr, fühlen feiner, brauchen schneller Rückzug und sind empfindlicher für Lärm, Druck oder emotionale Spannungen. Wenn du dich darin wiedererkennst, dann darfst du dich angesprochen fühlen – auch ohne Label.

 

Warum wache ich nachts auf, obwohl ich total müde bin?

 

Weil Müdigkeit allein nicht entscheidet, ob du schlafen kannst. Schlaf entsteht, wenn dein Nervensystem innerlich auf „Sicherheit“ schaltet. Viele hochsensible Schwangere sind zwar erschöpft,  aber innerlich angespannt. Und sobald du nachts aufwachst, startet der Körper wieder in einen Wachmodus: du spürst deinen Bauch, hörst jedes Geräusch, fühlst jede Veränderung. Dann kommt das Gedankenkarussell dazu und plötzlich ist es 3:12 Uhr und du bist hellwach.

 

Ist nächtliches Wachsein ein Zeichen, dass ich „zu ängstlich“ bin?

 

Nein. Es ist eher ein Zeichen, dass du Verantwortung tief empfindest. Hochsensible Frauen sind nicht „zu ängstlich“, sie sind oft einfach sehr bewusst. Sie spüren: „Das hier ist groß.“ Und Schwangerschaft ist groß. Wenn dein System darauf reagiert, bedeutet das nicht, dass du falsch bist...es bedeutet, dass du dich ernst nimmst. Die Frage ist nicht, ob du Angst hast. Die Frage ist, wie du dich so begleitest, dass dein Nervensystem nicht dauerhaft auf Alarm läuft.

 

Warum helfen mir viele Einschlafmeditationen nicht – obwohl sie so schön klingen?

 

Weil viele Einschlafmeditationen im Kopf stattfinden. Sie arbeiten mit Bildern, Affirmationen oder „Du bist jetzt ganz ruhig“-Sätzen. Wenn dein Nervensystem aber gerade im Alarmmodus ist, fühlt sich das oft an wie ein gut gemeinter Satz, der nicht ankommt. Hochsensible Schwangere brauchen nachts häufig etwas anderes: nicht „noch mehr Denken“, sondern eine konkrete, körpernahe Regulation. Weniger „stell dir vor“, mehr „spür hier“. Weniger „alles ist gut“, mehr „du musst gerade nichts lösen.“

 

Kann Restless Legs (unruhige Beine) dahinterstecken?

 

Ja, und das wird überraschend oft übersehen. Wenn du abends oder nachts ein unangenehmes Ziehen, Kribbeln oder einen Bewegungsdrang in den Beinen hast, kann das Restless Legs sein – und das kann in der Schwangerschaft häufiger auftreten. Bitte nimm das ernst und lass es ärztlich abklären, vor allem wenn dein Schlaf massiv leidet. Du musst da nicht „durch“.

 

Was kann ich tun, wenn ich nachts wach werde und nicht mehr einschlafen kann?

 

Das Wichtigste ist: Mach es nicht schlimmer, indem du gegen dich kämpfst. Viele Frauen versuchen, sich innerlich zu zwingen: „Ich MUSS jetzt schlafen.“ Genau das erhöht den Druck und Druck hält wach. Hilfreicher ist ein Wechsel von Kontrolle zu Regulation: Licht niedrig lassen, den Körper spüren, die Ausatmung verlängern und dir innerlich erlauben, dass du gerade nicht funktionieren musst. Manchmal ist der Gamechanger nicht „schnell wieder einschlafen“, sondern „schnell wieder bei mir ankommen.“

 

Ist schlechter Schlaf in der Schwangerschaft gefährlich für mein Baby?

 

In den meisten Fällen: nein. Schlechter Schlaf ist häufig und bedeutet nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt. Trotzdem ist Schlaf wichtig...für dich, für dein Stresslevel, für deine emotionale Stabilität. Wenn du über Wochen kaum schläfst, dich tagsüber kaum noch erholen kannst oder du merkst, dass du innerlich stark abbaust, dann hol dir Unterstützung. Nicht aus Panik, sondern aus Fürsorge.

 

Wann sollte ich mir Hilfe holen?

 

Wenn du das Gefühl hast, dass du nicht mehr regenerierst, dauerhaft erschöpft bist, tagsüber nur noch „funktionierst“, starke Ängste entwickelst oder körperliche Beschwerden (wie Atemprobleme, extremes Herzrasen, starke Unruhe) dazukommen. Auch wenn du dich emotional immer weiter zurückziehst oder nur noch „durchhältst“, ist das ein Signal: Du musst nicht alleine da durch.

 

Warum fühlt sich die Nacht manchmal emotional schlimmer an als der Tag?

 

Weil nachts alles still ist und Stille macht sichtbar. Tagsüber gibt es Ablenkung, Aufgaben, Gespräche, Struktur. Nachts bleibt oft nur das, was dein System wirklich beschäftigt: Angst, Hoffnung, Kontrollverlust, Verantwortung, alte Erfahrungen. Hochsensible Frauen spüren diese Themen besonders deutlich. Nicht weil sie „Drama machen“, sondern weil sie tiefer wahrnehmen.

 

Was ist die Quiet Rooms Nachtedition und für wen ist sie gedacht?

 

Die Quiet Rooms Nachtedition ist ein kurzer, ruhiger Audio-Raum zur Nervensystem-Beruhigung – für Nächte, in denen du wach wirst und merkst: „Ich komme nicht mehr runter.“ Sie ist nicht als „Wundermittel“ gedacht, sondern als Begleitung. Ohne Druck. Ohne Kitsch. Sondern als ein Moment, in dem du dich gehalten fühlst, bis dein Körper wieder schlafen kann.

 

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Autorin: Bettina Müller-Farné - Herausgeberin des Liebenswert Magazins

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