Schwanger im Ausland – was dir niemand über emotionale Sicherheit sagt

Veröffentlicht am 20. Januar 2026 um 08:30

Niemand warnt dich davor.
Nicht beim Auswandern.
Und erst recht nicht, wenn du schwanger wirst.

Alle sprechen über Organisation:
Krankenversicherung. Ärzte. Papiere. Sprache.

Was kaum jemand ausspricht, ist das, was nachts hochkommt, wenn alles still wird:

Wer hält mich jetzt?
Wer sieht mich wirklich?
Wo gehöre ich hin – mit all dem, was sich gerade verändert?

Ich habe selbst im Ausland gelebt, war dort nicht schwanger –
aber ich war umgeben von Frauen, die es waren.
Und was sie mir erzählten, hatte selten mit Vorsorgeuntersuchungen zu tun.
Es ging um etwas viel Grundlegenderes:
emotionale Sicherheit.

Emotionale Sicherheit ist mehr als medizinische Versorgung

 

Viele Frauen schreiben mir Sätze wie:

 

„Eigentlich ist alles gut – und trotzdem fühlt es sich nicht sicher an.“

„Ich habe tolle Ärzt:innen, aber niemanden, der mich kennt.“

„Ich funktioniere – aber ich fühle mich nicht sicher.“

 

Das ist kein Widerspruch.
Denn emotionale Sicherheit entsteht nicht durch Fakten.

 

Sie entsteht durch:

  • Vertrautheit
  • Resonanz
  • Wiedererkennung
  • das Gefühl, in einem Übergang gesehen zu werden

 

Psychologisch betrachtet ist emotionale Sicherheit eng mit dem Bindungssystem verknüpft.
Und dieses System reagiert besonders sensibel in der Schwangerschaft –
weil dein Körper sich bereits auf Bindung vorbereitet.

 

Wenn diese Sicherheit fehlt, bleibt das Nervensystem in einem Zustand von:

  • latenter Wachsamkeit
  • innerer Anspannung
  • unterschwelliger Einsamkeit

 

Nicht dramatisch.
Aber dauerhaft erschöpfend.

Warum Schwangerschaft im Ausland Einsamkeit verstärken kann (selbst bei Kontakten)

 

Viele schwangere Auswanderinnen sind nicht allein.
Sie haben Partner, Kolleg:innen, Bekannte.

Und trotzdem fühlen sie sich einsamer als je zuvor.

Warum?

Weil Schwangerschaft kein sozialer Zustand ist,
sondern ein identitärer Übergang.

 

Du brauchst Menschen, die:

  • deine Geschichte kennen
  • deine Sprache sprechen – nicht nur linguistisch
  • deine Veränderung spiegeln können

Im Ausland fehlt oft genau das.
Nicht aus bösem Willen, sondern aus fehlender gemeinsamer Biografie.

Die Forschung zeigt:
Emotionale Einsamkeit entsteht nicht durch Alleinsein,
sondern durch fehlende Resonanz.

Du kannst unter Menschen sein
und dich trotzdem innerlich allein fühlen.

Das stille Problem: Du hältst mehr, als du eigentlich kannst

 

Viele Frauen im Ausland entwickeln unbewusst einen Modus:

Ich muss stark sein.

 

Sie:

erklären weniger...fragen seltener...relativieren ihre Gefühle...wollen „nicht undankbar wirken“...

Gerade hochsensible Frauen sind darin Meisterinnen.

Das Problem daran:
Dein Nervensystem merkt sich nicht, dass du „tapfer“ bist.
Es merkt sich nur, dass Spannung nicht abfließen darf.

Studien zur Stressverarbeitung zeigen,
dass unterdrückte emotionale Aktivierung den Körper stärker belastet
als offen gelebter Stress.

Kurz gesagt: Alles, was du innerlich hältst, ohne es irgendwo ablegen zu können, kostet dich Energie.

 

Viele Frauen entwickeln in dieser Phase eine stille Form von Schuld

darüber schreibe ich hier ausführlicher.

Warum viele Frauen denken, sie müssten „einfach dankbarer sein“

 

Dieser Gedanke taucht immer wieder auf:

Andere wären froh, hier zu sein.

Und ja – Auswandern ist oft ein Privileg.
Aber Dankbarkeit ersetzt keine Sicherheit.

 

Das ist wichtig. Wird aber selten so klar gesagt.

 

Dankbarkeit ist ein kognitives Konzept.
Sicherheit ist ein körperlicher Zustand.

Du kannst beides gleichzeitig fühlen:

  • Dankbarkeit und
  • Unsicherheit
  • Freude und
  • Heimweh

Wenn du dir selbst verbietest, die zweite Seite zu fühlen,
gerät dein System in einen inneren Konflikt.

Nicht weil du falsch bist –
sondern weil du versuchst, einen Übergang zu überspringen.

Emotionale Sicherheit entsteht durch Wiederholung (nicht durch Gespräche)

 

Viele Frauen versuchen, sich Sicherheit zu erklären:

  • durch Gespräche
  • durch Vernunft
  • durch „Das wird schon“

Doch emotionale Sicherheit entsteht nicht durch Überzeugung,
sondern durch wiederholte Erfahrungen von Halt.

Genau hier kommen körperorientierte Elemente ins Spiel:

  • feste Tagesabschlüsse
  • vertraute Gerüche
  • wiederkehrende Handlungen
  • kleine Übergangsmarker

Nicht als Lösung für alles 
sondern als Signal an dein Nervensystem:

Du bist nicht verloren.

Deshalb wirken Rituale oft tiefer als Worte.

Besonders im Ausland, wo Sprache und Kultur ohnehin fordern.

 

Gerade abends können kleine Rituale helfen:

Weiterlesen, innerlich wieder anzukommen.

Drei leise Wege zu mehr emotionaler Sicherheit (ohne Druck)

 

1️⃣ Benenne innerlich, was fehlt – ohne es lösen zu müssen

 

Ein einfacher Satz:

Was mir fehlt, ist Nähe – nicht ein Plan.

Das allein kann Druck aus dem System nehmen.

2️⃣ Schaffe einen festen emotionalen Anker pro Tag

 

Nicht mehr. Nicht weniger.

Zum Beispiel:

  • abends immer dieselbe Tasse Tee
  • derselbe Duft
  • dieselbe kleine Geste zum Tagesabschluss

Wiederholung = Sicherheit.

3️⃣ Erlaube dir Übergänge

 

Du bist nicht „zu empfindlich“,
wenn du mehr Halt brauchst.

Du bist in einer doppelten Übergangsphase.
Und Übergänge brauchen Markierungen.

Wenn du beim Lesen gemerkt hast:

Ja. Genau das ist es.

Dann ist der nächste Schritt nicht, dich „zusammenzureißen“.
Sondern deinem Nervensystem das zu geben,
was ihm gerade fehlt: Struktur im Übergang.

 

Genau darum geht es im Artikel
„Warum schwangere Auswanderinnen besondere Rituale brauchen“.

Dort zeige ich dir,
wie Rituale nicht spirituell überfordern,
sondern emotional stabilisieren können.

Du musst nicht stark sein,
um schwanger im Ausland zu sein.

Du darfst unsicher sein.
Du darfst Halt brauchen.
Du darfst Übergänge langsam gehen.

Emotionale Sicherheit ist nichts,
was du dir verdienen musst.

Sie entsteht dort,
wo du dir erlaubst, nicht alles allein zu tragen.

 

Viele hochsensible Schwangere berichten mir, dass sie sich weniger nach Informationen sehnen –
sondern nach etwas, das sie innerlich stabilisiert.

Genau aus diesem Grund habe ich einen kostenlosen Mini-Kurs entwickelt,
die unabhängig vom Ort wirkt:
„Hochsensible Power für die Geburt“.

Er wurde ursprünglich für Frauen geschaffen,
die sich fern der Heimat auf die Geburt vorbereiten
und ihrem Nervensystem einen Moment von Sicherheit schenken wollen.

💛 Weiterführend im Liebenswert Magazin

 

 

 

FAQ

 

Was bedeutet „emotionale Sicherheit“ in der Schwangerschaft?

 

Emotionale Sicherheit ist das Gefühl, innerlich gehalten zu sein – nicht nur medizinisch versorgt. Sie entsteht durch Vertrautheit, Resonanz, Wiedererkennung und regelmäßige Anker im Alltag, die dem Nervensystem signalisieren: „Ich bin sicher.“

 

 

Warum fühlen sich viele schwangere Auswanderinnen trotz guter medizinischer Betreuung unsicher?

 

Weil medizinische Versorgung nicht automatisch soziale und emotionale Sicherheit ersetzt. Im Ausland fehlen oft vertraute Menschen, Sprache, Kulturcodes und Schwangerschaftsrituale, die Übergänge normalerweise „einbetten“.

 

 

Kann man sich auch einsam fühlen, obwohl man nicht alleine ist?

 

Ja. Einsamkeit entsteht nicht nur durch fehlende Kontakte, sondern durch fehlende Resonanz. Du kannst Menschen um dich haben – und dich trotzdem innerlich unverstanden oder ungetragen fühlen.

 

 

Warum verstärken sich Heimweh oder Unsicherheit in der Schwangerschaft häufig?

 

Weil Schwangerschaft ein Identitätsübergang ist. Das Bindungs- und Sicherheitssystem wird empfindlicher, um Mutter und Kind zu schützen. Wenn gleichzeitig das Umfeld neu und fremd ist, reagiert das Nervensystem schneller mit Alarm.

 

 

Warum hilft „Sei doch dankbar“ oft nicht?

 

Dankbarkeit ist eine kognitive Haltung, Sicherheit ein körperlicher Zustand. Du kannst dankbar sein und dich trotzdem unsicher fühlen. Wenn du dir Unsicherheit verbietest, entsteht innerer Druck – und das kostet Kraft.

 

 

Was kann ich tun, wenn ich nicht ständig darüber sprechen will oder niemanden habe?

 

Du kannst mit kleinen täglichen Ankern arbeiten: ein fester Tagesabschluss, ein beruhigender Duft, ein kurzer Moment Hand auf Bauch/Herz, bewusstes Ausatmen. Wiederholung schafft Sicherheit – auch ohne viele Worte.

 

 

Sind Rituale wirklich hilfreich, auch wenn ich nicht „spirituell“ bin?

 

Ja. Rituale müssen nicht esoterisch sein. Sie sind wiederkehrende Handlungen, die Übergänge markieren und dem Nervensystem Struktur geben – genau das kann im Ausland besonders stabilisieren.

 

 

Woran merke ich, dass mein Nervensystem im Alarmmodus ist?

 

Typische Zeichen sind innere Wachsamkeit, Grübeln, Schlafprobleme, Reizüberflutung, schneller erschöpft sein und das Gefühl, ständig „funktionieren“ zu müssen, obwohl objektiv alles okay scheint.

 

 

Was ist ein erster Schritt, wenn ich mich emotional instabil fühle?

 

Benenne innerlich, was fehlt – ohne es sofort lösen zu müssen.

Zum Beispiel: „Mir fehlt Nähe/Resonanz/Vertrautheit.“

Dann wähle einen kleinen täglichen Anker (3 Minuten reichen) und wiederhole ihn konsequent.

 

 

Wann sollte ich mir professionelle Unterstützung suchen?

 

Wenn Angst, Panik, Schlafprobleme, starke Einsamkeit oder dauerhafte Überforderung anhalten oder deinen Alltag stark beeinträchtigen, ist professionelle Unterstützung (ärztlich, psychologisch, psychosozial) sinnvoll – besonders im Ausland.

 

 

Warum sich Schwangerschaft im Ausland oft unsicher anfühlt – trotz guter Versorgung. Über emotionale Sicherheit, Einsamkeit & was wirklich hilft.

Autorin: Bettina Müller-Farné - Gründerin des Liebenswert-Magazins

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