Wenn Geburt im Ausland stattfindet und niemand deine Geschichte kennt
Manche Geburten sind nicht nur ein Ereignis.
Sie sind eine Grenze im Leben.
Und im Ausland fühlt sich diese Grenze manchmal an, als würde niemand sie sehen.
Manchmal passiert etwas, das eigentlich wunderschön sein sollte
und trotzdem fühlt es sich an, als wäre es nicht ganz bei dir angekommen.
Du hast geboren.
Vielleicht in den USA. Vielleicht weit weg von Zuhause.
Vielleicht in einem Krankenhaus, das professionell war. Schnell. Kompetent.
Vielleicht war alles „okay“. Vielleicht sogar „gut“.
Und trotzdem gibt es diesen Moment danach.
Dieser stille Moment, den niemand auf dem Geburtsvorbereitungskurs erklärt.
Und den auch niemand in einer WhatsApp-Nachricht auffangen kann.
Du sitzt da mit deinem Baby.
Du hast es geschafft.
Und plötzlich merkst du:
Niemand kennt deine Geschichte.
Niemand kennt den Weg dorthin.
Niemand war dabei, als du nachts wach lagst.
Niemand hat gesehen, wie du versucht hast, mutig zu bleiben.
Niemand weiß, was du innerlich getragen hast...bevor dieses Baby überhaupt da war.
Und das ist der Punkt, an dem sich eine Geburt im Ausland manchmal… anders anfühlt.
Nicht nur „an einem anderen Ort“.
Sondern wie ein emotionaler Bruch.
Wie ein Kapitel, das nicht richtig gelesen wurde.
Wie eine Geschichte, die zwar passiert ist, aber noch keinen Platz gefunden hat.
Geburt im Ausland ist nicht nur ein Ortswechsel. Es ist ein innerer Wechsel.
Geburt im Ausland fühlt sich oft einsam an, weil dir nicht nur Menschen fehlen, sondern Vertrautheit, Sprache und Resonanz für deine Geschichte.
In vielen Ländern gibt es keine Kultur für Birth Stories.
Aber dein Körper braucht keinen Trend. Er braucht Zeugen.
Warum Geburt im Ausland sich oft anders anfühlt als „nur ein anderer Ort“
Wenn du im Ausland Mutter wirst, passiert oft etwas sehr Spezielles...
Du bist körperlich mitten in einem der größten Momente deines Lebens,
aber emotional fehlt dir der Boden.
Nicht, weil du schwach bist.
Nicht, weil du „zu sensibel“ bist.
(Lese-Tipp: Was Hochsensibilität NICHT ist )
Sondern weil du etwas erlebst, das viele Expat-Mütter erst später verstehen:
Geburt braucht Resonanz.
Nicht Applaus. Nicht Bewertung.
Nicht „Hauptsache gesund“.
Resonanz.
Dieses Gefühl von:
„Ja. Ich war dabei. Ich weiß, was das für dich bedeutet.“
Und wenn du weit weg bist von deinem Herkunftsland, dann fehlen dir oft genau diese Menschen.
Menschen, die nicht nur dein Baby sehen...
sondern dich.
Aber vielleicht hast du danach gemerkt: Ich kann es nicht richtig erzählen.
Das ist etwas, das so viele Frauen erleben, aber kaum jemand sagt es laut.
Du willst erzählen, wie es war.
Und dann merkst du:
Du findest keine Worte.
Oder du erzählst es, aber es klingt plötzlich wie ein Bericht.
Wie eine Zusammenfassung, die nicht das trifft, was du eigentlich meinst.
Und vielleicht hast du sogar gemerkt:
Wenn du erzählst, lächeln die anderen.
Nicken.
Sagen etwas Nettes.
Und du fühlst dich trotzdem allein.
Nicht, weil sie böse sind.
Sondern weil sie nicht wissen, was du wirklich brauchst.
Denn das, was du eigentlich suchst, ist nicht Information.
Du suchst diesen einen Moment von:
„Ich sehe dich.“
Einsam nach der Geburt – obwohl du nicht allein bist
Vielleicht war dein Partner da.
Vielleicht war er sogar liebevoll. Bemüht. Anwesend.
Und trotzdem fühlte es sich manchmal an, als würdest du innerlich in einem Raum sitzen, zu dem niemand den Schlüssel hat.
Oder du hattest Besuch.
Oder Videoanrufe.
Oder Nachrichten von Familie und Freunden.
Und trotzdem: Du konntest nicht richtig ankommen.
Das ist diese spezielle Art von Einsamkeit, die nicht dadurch entsteht, dass niemand da ist...
sondern dadurch, dass niemand deine innere Welt kennt.
Du bist in einem neuen Land.
Du hast ein neues Leben.
Du hast ein Baby.
Und plötzlich merkst du:
Du bist nicht nur Mutter geworden.
Du bist auch ein bisschen fremd geworden.
Fremd im Alltag.
Fremd in deiner Rolle.
Fremd in deinem eigenen Körper.
Und manchmal auch fremd in der Sprache, die du jetzt sprechen musst, obwohl du innerlich eigentlich einfach nur gehalten werden willst.
Manchmal ist nicht die Geburt das Schwerste. Es ist das Danach.
Ich sage das ganz bewusst, weil es so viele Frauen entlastet:
Es muss nicht „etwas Schlimmes“ passiert sein, damit es sich schwer anfühlt.
Manchmal war es nicht traumatisch.
Nicht dramatisch.
Nicht medizinisch kompliziert.
Und trotzdem sitzt da etwas in dir, das sagt: „Irgendwie war ich allein damit.“
Und genau das macht es so schwer zu greifen.
Denn wenn alles „okay“ war, fühlst du dich manchmal sogar schuldig,
dass du überhaupt traurig bist.
Dann kommen diese Gedanken, wie...
„Andere hätten sich gefreut…“
„Ich sollte dankbar sein…“
„Warum kann ich nicht einfach glücklich sein?“
„Was stimmt nicht mit mir?“
Und ich sage dir das ganz klar:
Mit dir stimmt nichts nicht!
Du hast etwas erlebt, das tief ist.
Und tiefe Erfahrungen brauchen Zeit, Raum und ein Gegenüber.
Und manchmal fehlt im Ausland genau das...
Wenn du plötzlich merkst: Ich bin die einzige Zeugin meines eigenen Moments
Es gibt einen Satz, den ich so oft im Kopf habe, wenn ich Expat-Mütter begleite (nicht als Therapie, sondern als redaktionelle Stimme, als leiser Raum):
„Ich habe das erlebt, aber niemand war wirklich dabei.“
Und das ist nicht nur ein „emotionales Problem“.
Das ist ein Nervensystem-Thema.
Denn dein Körper merkt sich nicht nur die Geburt.
Er merkt sich auch, ob du dich sicher gefühlt hast.
Ob du gehalten wurdest.
Ob du verstanden wurdest.
Ob du nachher jemanden hattest, der dich wieder einsammelt.
Und wenn du im Ausland bist, dann passiert oft Folgendes:
Du funktionierst schneller.
Weil du musst.
Du organisierst.
Du erklärst.
Du navigierst durch Systeme.
Du bist plötzlich Expertin für Formulare, Abläufe, Termine, Regeln.
Und innerlich ist da vielleicht eine Stimme, die sagt:
„Ich wäre so gerne einfach nur Mama gewesen.“
Vielleicht kennst du diese Gedanken (auch wenn du sie nie laut gesagt hast)
Manche Sätze leben nicht im Gespräch.
Sie leben in der Küche.
Im Bad.
Nachts um 3.
Wenn alle schlafen.
Vielleicht ist einer davon deiner:
„Ich habe ein Baby bekommen… aber ich fühle mich nicht wie ich selbst.“
„Ich bin so müde, aber ich kann nicht richtig schlafen.“
„Ich vermisse meine Familie – auch wenn sie mich manchmal nervt.“
„Ich bin stark. Aber ich will nicht immer stark sein.“
„Ich habe Angst, dass ich mich nie wieder leicht fühlen werde.“
„Ich möchte darüber reden… aber ich will nicht, dass jemand denkt, ich übertreibe.“
Wenn du dich hier irgendwo wiedererkennst:
Du bist nicht allein.
Und du bist auch nicht „zu empfindlich“.
Du bist ein Mensch, der etwas Großes erlebt hat.
Warum Expat-Mütter oft doppelt tragen
Du trägst nicht nur das neue Leben.
Du trägst auch:
- die kulturelle Umstellung
- den Mangel an vertrauten Ritualen
- das Gefühl, alles selbst lösen zu müssen
- das ständige Übersetzen (im Kopf und im Herzen)
- den leisen Druck, es „gut hinzubekommen“, weil du dich sonst noch fremder fühlst
Und manchmal trägst du auch das Gefühl:
„Ich darf nicht zusammenbrechen, weil ich hier niemanden habe, der mich auffängt.“
Das ist keine Kleinigkeit.
Das ist echte innere Arbeit.
Und es ist okay, wenn du nicht sofort „strahlst“.
Was dir jetzt hilft ...ohne dass du sofort „heilen“ musst
Du musst jetzt nicht sofort alles verstehen.
Du musst nicht sofort „aufarbeiten“.
Du musst nicht sofort stark sein.
Du darfst klein anfangen.
Hier sind ein paar Dinge, die nicht nach Selbstoptimierung klingen, aber trotzdem wirken:
1) Gib deiner Geburt einen Namen
Nicht medizinisch.
Emotional.
Zum Beispiel:
„Meine Mut-Geburt“
„Meine Fremdland-Geburt“
„Meine Übergangs-Geburt“
„Meine Still-und-trotzdem-da-Geburt“
„Meine Ich-habe-es-geschafft-Geburt“
Warum das hilft?
Weil dein Nervensystem nicht in Diagnosen denkt.
Es denkt in Bedeutung.
2) Schreib 10 Zeilen – ohne Ziel
Nicht für Instagram.
Nicht für ein Tagebuch, das perfekt sein muss.
Nur 10 Zeilen.
Wie es wirklich war.
Wie du dich wirklich gefühlt hast.
Was du niemandem sagen wolltest.
Du musst es nicht „schön“ formulieren.
Du musst es nur aus dir rauslassen.
3) Such dir einen Menschen, der nicht reparieren will
Nicht zehn Leute.
Einen.
Einen Menschen, der nicht sofort sagt:
„Ach komm, sei doch froh.“
Sondern eher:
„Erzähl. Ich bin da.“
Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.
4) Erlaube dir, dass es gleichzeitig schön und schwer sein darf
Das ist für viele Mütter der Schlüssel:
Du darfst dein Baby lieben.
Und dich trotzdem einsam fühlen.
Du darfst dankbar sein.
Und trotzdem traurig.
Du darfst stolz sein.
Und trotzdem wackeln.
Du bist kein Widerspruch.
Du bist ein ganzer Mensch.
Und wenn du dich gerade fragst, ob du „zu empfindlich“ bist…
Dann sage ich dir etwas, das du dir ruhig merken darfst:
Vielleicht bist du nicht zu empfindlich.
Vielleicht war es einfach zu viel – zu schnell – zu allein.
Und weißt du was?
Das ist nicht dein Fehler.
Du hast nicht versagt.
Du hast etwas getragen, das viele unterschätzen.
Ein leiser Gedanke zum Schluss
Manchmal ist das, was uns nach einer Geburt im Ausland fehlt, nicht die perfekte Betreuung.
Sondern ein Satz.
Ein Satz, der nicht bewertet.
Nicht analysiert.
Nicht kleinredet.
Sondern einfach da ist.
Vielleicht ist es dieser:
Deine Geschichte zählt.
Auch wenn sie niemand von Anfang an mitbekommen hat.
Und wenn du magst, dann darfst du sie dir selbst zurückholen.
In kleinen Schritten.
Ohne Druck.
Du musst nicht alles heute lösen.
Aber du darfst heute anfangen, dich wieder zu spüren.
Ganz leise.
Ganz echt.
Ganz du.
Liebenswert Abroad ist ein stiller Ort für Frauen, die im Ausland leben und merken, dass manche Übergänge dort anders klingen.
Nicht dramatischer. Aber einsamer.
Hier findest du Texte, die nicht pushen, sondern sortieren.
Und Räume, die nicht laut sind, sondern entlasten.
Für hochsensible Frauen, die weit weg von Zuhause sind – und trotzdem nicht „hart“ werden wollen.
FAQ
Warum fühlt sich eine Geburt im Ausland oft so einsam an...obwohl ich nicht allein bin?
Weil dir nicht nur Menschen fehlen, sondern Vertrautheit. Geburt ist ein Übergang, der Resonanz braucht: jemanden, der deine Geschichte kennt, deinen Tonfall versteht, deine Vergangenheit „mitträgt“. Im Ausland fehlt oft genau dieses stille Netz. Und das kann sich wie Einsamkeit anfühlen, selbst wenn ein Partner da ist.
Ist es normal, dass ich mich nach der Geburt „fremd“ fühle, sogar in meinem eigenen Körper?
Ja. Gerade hochsensible Frauen erleben nach einer Geburt oft eine Phase, in der der Körper zwar „funktioniert“, aber emotional noch nicht nachgekommen ist. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Hinweis darauf, dass dein Nervensystem Zeit braucht, um sich neu zu sortieren.
Warum kann ich meine Geburt nicht richtig erzählen, obwohl ich mich eigentlich mitteilen will?
Weil manche Erfahrungen zu groß sind für schnelle Worte. Viele Frauen berichten, dass sie nur „berichten“ können, aber nicht fühlen. Oft ist das ein Schutzmechanismus: Der Körper hält dich stabil, bis du genug Sicherheit hast, um näher ranzukommen.
Muss etwas Schlimmes passiert sein, damit es sich schwer anfühlt?
Nein. Es muss nicht dramatisch gewesen sein. Manchmal ist es nicht die Geburt selbst – sondern das Danach: das schnelle Weitermachen, das Organisieren, das Fehlen von Menschen, die dich wirklich kennen. Auch eine „gute“ Geburt kann emotional einsam sein, wenn du sie innerlich alleine tragen musst.
Was hilft, wenn ich merke: Ich komme nicht richtig an, aber ich will auch nicht in einem Loch versinken?
Dann hilft oft kein „noch mehr Denken“, sondern ein kleiner, regulierender Schritt:
ein ruhiger Atem, Bodenkontakt, ein Satz, der dich wieder zu dir zurückholt. Nicht als Lösung...als Zwischenraum. Du musst nichts sofort aufarbeiten. Du darfst zuerst ankommen.
✧ Wenn du gerade keinen Rat brauchst, sondern einen Moment Ruhe
Manchmal ist nicht die nächste Antwort wichtig.
Sondern ein kurzer Moment, in dem dein Nervensystem merkt: Ich bin sicher.
Wenn du magst, findest du bei Praxis Liebenswert kleine stille Begleitungen...
zum Atmen, zum Ankommen, zum Runterregeln.
Ohne Ziel. Ohne Leistung. Ohne „du musst jetzt…“.
(Du darfst diesen Artikel für heute auch einfach hierlassen.)
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Autorin: Bettina Müller-Farné - Herausgeberin des Liebenswert-Magazins
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