Entscheidungshilfe bei Schwangerschaftsabbruch – für Frauen, die fühlen, statt funktionieren
Hinweis zu sensiblen Inhalten
Dieser Artikel thematisiert Schwangerschaft, Entscheidungsprozesse und Schwangerschaftsabbruch.
Wenn du dich aktuell in einer emotional sehr belastenden Situation befindest oder dich von diesem Thema leicht überwältigt fühlst, lies bitte in deinem eigenen Tempo oder kehre später zu diesem Text zurück.
Du darfst jederzeit eine Pause machen.
Es gibt Entscheidungen, über die kaum jemand ehrlich spricht.
Nicht, weil sie selten wären. Sondern weil sie einfach unglaublich tief gehen.
Eine davon ist die Frage:
„Soll ich diese Schwangerschaft fortsetzen – oder nicht?“
Wenn du diesen Text liest, dann wahrscheinlich nicht aus Neugier, sondern weil du genau hier stehst.
Zwischen Hoffnung und Angst.
Zwischen Verantwortung und Überforderung.
Zwischen deinem Körper und einer Welt voller Meinungen.
Dieser Artikel ist kein Ratgeber.
Er ist ein Raum.
Warum diese Entscheidung sich anders anfühlt als alles andere
Ein Schwangerschaftsabbruch ist keine medizinische Entscheidung.
Er ist eine existenzielle.
Denn hier entscheidet nicht nur dein Verstand.
Hier meldet sich dein Nervensystem.
Deine Geschichte.
Deine Grenzen.
Dein inneres Kind.
Deine Zukunftsvorstellung.
Viele Frauen sagen später nicht:
„Ich wusste nicht, was richtig war.“
Sondern:
„Ich wusste es...aber ich konnte es nicht fühlen.“
Das ist der Unterschied.
Die Wahrheit, die kaum jemand sagt
Du musst diese Entscheidung nicht richtig treffen.
Du musst sie echt treffen.
Nicht aus Angst.
Nicht aus Schuld.
Nicht aus Druck.
Sondern aus dem, was in dir leise wahr ist.
Und genau das ist schwer in einer Welt, die bei Schwangerschaft nur zwei Rollen kennt:
Die glückliche Mutter
oder die kalte Entscheiderin
Aber die meisten Frauen sind keins von beidem.
Sie sind einfach überfordert, wach, liebend und ehrlich zugleich.
Warum hochsensible Frauen hier besonders leiden
Wenn du feinfühlig bist, nimmst du nicht nur deine eigenen Gefühle wahr.
Du spürst die Erwartungen deiner Familie...die gesellschaftliche Moral...die Projektionen anderer...
die Angst deines Partners...die Zukunft, die noch nicht da ist..
Und das ist viel...sehr viel...
Dein System steht unter Dauerfeuer.
Deshalb ist „denk einfach logisch“ hier der falsche Ratschlag.
Diese Entscheidung braucht Regulation, nicht Argumente.
Drei leise Fragen, die dir wirklich helfen
Nicht:
„Was sollte ich tun?“
Sondern:
1. „Wie fühlt sich mein Körper bei jedem Gedanken an?“
Nicht: was denke ich.
Sondern: wo zieht es sich zusammen, wo wird es weiter?
2. „Wenn niemand zusieht – was wäre meine Wahrheit?“
Ohne Partner.
Ohne Eltern.
Ohne Moral.
Nur du.
3. „Welche Entscheidung kann ich mir in fünf Jahren mit Mitgefühl ansehen?“
Nicht Stolz.
Nicht Stärke.
Nur: Mitgefühl.
Du bist nicht kaputt, wenn du zweifelst
Zweifel heißt nicht, dass du falsch bist.
Zweifel heißt, dass du fühlst!
Und genau das ist deine Stärke.
Manche Frauen entscheiden sich für das Leben.
Manche gegen diese Schwangerschaft.
Beide Entscheidungen können aus Liebe entstehen.
Nicht jede Schwangerschaft ist ein Geschenk.
Aber jede Frau verdient Würde – egal, wie sie entscheidet.
(Lese-Tipp: Wann ist man zu alt“ für einen Schwangerschaftsabbruch? )
Wenn dein Nervensystem gerade keine Klarheit zulässt
Manchmal ist der Kopf laut, weil das System überlastet ist.
Wenn du gerade nicht klar fühlen kannst, brauchst du keine neuen Gedanken.
Du brauchst einen sicheren inneren Raum.
Manche Entscheidungen lassen sich nicht denken.
Sie müssen zuerst gehalten werden.
Wenn dein Kopf gerade kreist und dein Körper müde ist vom Abwägen, kann es helfen, für einen Moment aus dem inneren Lärm auszusteigen. Ohne etwas klären zu müssen.
Bei Praxis Liebenswert gibt es dafür die Quiet Rooms: kurze, stille Audio-Räume, in denen du einfach atmen, ankommen und wieder ein kleines Stück Boden unter den Füßen spüren kannst.
Nicht, um dich in eine Richtung zu führen.
Sondern um dir einen Ort zu geben, an dem du dich selbst wieder hörst.
Zum Schluss – von Frau zu Frau
Was auch immer du wählst:
Du darfst dich danach noch lieben.
Du darfst trauern.
Du darfst erleichtert sein.
Du darfst widersprüchlich sein.
Diese Entscheidung macht dich nicht zu einem schlechten Menschen.
Sie macht dich zu einem echten.
Und das ist mehr, als die Welt dir oft zugesteht.
Wichtiger Hinweis
Die Inhalte dieses Artikels ersetzen keine medizinische, rechtliche oder psychosoziale Beratung.
Er dient der persönlichen Einordnung und emotionalen Orientierung, nicht der Entscheidungsfindung im rechtlichen oder medizinischen Sinne.
Wenn du eine professionelle Beratung suchst, kannst du dich in Deutschland anonym und kostenfrei an folgende Stellen wenden:
pro familia – Beratung zu Schwangerschaft & Schwangerschaftsabbruch
Nummer gegen Kummer (für Frauen & Familien)
Telefon: 116 111
Schwangerschaftskonfliktberatung (Bundeszentrale)
In akuten emotionalen Krisen oder bei Selbstgefährdung wende dich bitte an den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder den Notruf (112).
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