Diese Frage erreicht uns bei Frag Liebenswert immer wieder
– oft leise, oft zögerlich, manchmal zwischen den Zeilen:
„Gibt es ein Alter, in dem man für einen Schwangerschaftsabbruch zu alt ist?“
Es ist eine Frage, die viele Frauen bewegt – besonders dann, wenn Lebensrealität, Verantwortung, Gefühle und äußere Erwartungen gleichzeitig anklopfen.
Dieser Artikel möchte Orientierung geben.
Nicht, um Entscheidungen zu bewerten.
Sondern um Raum für innere Klarheit zu schaffen.
Schon beim Lesen dieser Worte spürst du vielleicht, wie sich etwas in dir regt
– Unbehagen, Nachdenken, vielleicht auch Erinnerungen.
Genau deshalb schreibe ich diesen Artikel.
Nicht, um zu urteilen. Nicht, um dir zu sagen, was „richtig“ oder „falsch“ ist.
Sondern um dir eine seelische Begleitung anzubieten – egal, wo du gerade stehst.
Warum diese Frage viele hochsensible Frauen bewegt
Als hochsensible Frau fühlst du intensiver, tiefer und komplexer. Du hörst nicht nur die Stimmen im Außen („Darf man das mit über 40 noch?“),
sondern auch die im Innen: Zweifel, Grübeln, Schuldgefühle, spirituelle Fragen.
Und egal, wie klar deine Entscheidung vielleicht rational ist – dein Herz, dein Nervensystem, deine Seele verarbeiten es auf ihre ganz eigene Weise.
Genau deshalb trifft das Thema Abbruch viele hochsensible Frauen besonders stark.
Gibt es ein „zu alt“ für einen Abbruch?
Rein rechtlich: Nein.
In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche nach Empfängnis möglich – unabhängig vom Alter. Danach nur bei medizinischen oder krisenbedingten Gründen.
Das bedeutet: Es gibt keine gesetzliche Altersgrenze.
Aber gesellschaftlich? Da sieht es anders aus.
Frauen über 40 hören oft: „Jetzt bist du doch zu alt für Kinder“ – oder umgekehrt: „Jetzt bist du zu alt für einen Abbruch“. Zwei Seiten derselben Medaille, beide voller Vorurteile.
Und ja, mit zunehmendem Alter gibt es medizinische Aspekte, die man ernst nehmen sollte.
Aber die Kernfrage bleibt: Es geht nicht darum, was andere denken. Es geht um dich.
Meine Haltung: Keine Bewertung
Ich möchte es dir ganz klar sagen:
Ich bewerte nicht, ob eine Entscheidung „richtig“ oder „falsch“ ist.
Weil das niemand von außen kann.
Nicht die Gesellschaft.
Nicht die Nachbarin.
Nicht einmal wohlmeinende Freunde oder Familie.
Nur du kennst deine Geschichte.
Nur du spürst, was in deinem Leben stimmig ist.
Ob du 22 oder 42 bist, spielt dabei keine Rolle.
Deine Entscheidung bleibt deine Entscheidung.
Punkt.
Seelische Begleitung statt Bewertung
Wenn dich Gefühle oder Gedanken nach einem Abbruch beschäftigen, kannst du dir folgende Fragen stellen:
- Welche Stimme ist gerade lauter – meine innere oder die von außen?
- Was ist wirklich meine Angst: medizinisch, gesellschaftlich, spirituell?
- Was brauche ich jetzt – Trost, Austausch, Rückzug, Klarheit?
Und falls Worte nicht reichen, kann ein Ritual helfen.
Mini-Ritual zur Selbstklärung
- Zünde eine Kerze an.
- Lege eine Hand auf dein Herz, eine auf deinen Bauch.
- Sprich innerlich: „Ich darf fühlen. Ich darf entscheiden. Ich darf ganz ich sein.“
- Schreibe auf:
- Was möchte heute anerkannt werden?
- Was darf gehen?
- Wofür danke ich mir heute?
Immer wieder spannend...und nur am Rande...
Kleine Beobachtung (ja -wenn man über Schwangerschaftsabbruch schreibt, bekommt man auch viele Nachrichten und Kommentare dazu...):
Es sind erstaunlich oft Männer, die sehr klare Vorstellungen darüber haben, was Frauen „ab 40“ dürfen oder nicht dürfen – vom Kinderkriegen bis zum Abbruch.
Ironischerweise sind es genau die, die selbst nie in dieser Lage waren. 😉
Nicht alle, aber manche Granaten gibt es immer...
Solche Menschen sollten d(eine) persönliche Entscheidung nicht beeinflussen...
Fazit
Nein, es gibt kein „zu alt“ für einen Schwangerschaftsabbruch.
Es gibt nur deine Realität. Deine Gefühle. Deine Entscheidung.
Und die darfst du dir zugestehen – ohne Rechtfertigung, ohne Scham.
Hinweis:
Dieser Artikel dient der journalistischen Einordnung und emotionalen Orientierung.
Er ersetzt keine medizinische, rechtliche oder psychosoziale Beratung.
Jede Frau trägt die Verantwortung für ihre persönliche Entscheidung und sollte sich bei Bedarf an medizinisches Fachpersonal oder anerkannte Beratungsstellen wenden.
FAQ
Kann man zu alt für einen Schwangerschaftsabbruch sein?
Nein. Das Alter spielt rechtlich keine Rolle, nur die Schwangerschaftswoche ist entscheidend.
Ist ein Abbruch mit über 40 riskanter?
Medizinisch kann es körperlich etwas anstrengender sein, aber es gibt sichere Methoden.
Wie gehe ich mit Schuldgefühlen um?
Besonders hochsensible Frauen profitieren von Ritualen, Journaling oder therapeutischer Begleitung.
Darf ich mich auch später im Leben für einen Abbruch entscheiden?
Ja. Dein Alter ändert nichts an deinem Recht auf Selbstbestimmung.
Es gibt Fragen im Leben, die keine schnelle Antwort brauchen – sondern einen sicheren inneren Raum.
Wenn du dir diese Frage stellst, bedeutet das nicht, dass du schwach bist.
Es bedeutet, dass du verantwortungsvoll fühlst.
Manchmal ist Klarheit kein Punkt, sondern ein Prozess.
Und manchmal beginnt er genau damit, sich zu erlauben, diese Frage überhaupt zu stellen.
Weiterlesen:
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Autorin: Bettina Müller-Farné - Gründerin des Liebenswert-Magazins
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