Wenn du dein Land verlierst, kannst du dich verlieren – und in der falschen Beziehung bleiben

Veröffentlicht am 17. Januar 2026 um 09:02

 

Hinweis zum Lesen

Dieser Artikel spricht über toxische Beziehungen, emotionale Abhängigkeit und das Erleben von Entwurzelung im Ausland. Wenn du gerade selbst in einer belastenden Beziehung steckst oder dich innerlich sehr verletzlich fühlst, lies bitte langsam oder kehre später zu diesem Text zurück.

Du musst nichts aushalten, um etwas zu verstehen.

 

Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment.

Ich saß in einer fremden Küche.

Eine andere Sprache.

Ein anderes Licht.

Eine andere Art zu atmen.

Und irgendwo zwischen ungewohnten Straßennamen, neuen Gerüchen und diesem ständigen leisen Gefühl von „Ich gehöre hier noch nicht so ganz dazu“ begann ich,

mich selbst langsam zu verlieren.

Nicht laut.

Nicht dramatisch.

Sondern still.

Und genau in dieser stillen, weichen, verletzlichen Phase bin ich in eine Beziehung geraten,

die mir nicht gutgetan hat.

Damals wusste ich nicht, dass das kein Zufall war.

Heute weiß ich:

Wenn du dein Land verlierst, kannst du dich selbst verlieren.

Und dann fühlt sich selbst eine falsche Beziehung wie Halt an.

 

 

Warum Auswandern das Nervensystem verändert

 

Auswandern wird oft romantisiert.

Neuanfang. Freiheit. Sonne. Abenteuer.

Doch das ist oft nur eine Seite der Medaille... für hochsensible Frauen bedeutet ein Leben im Ausland auch häufig etwas ganz anderes...

 

Der Verlust von:

 

  • vertrauter Sprache
  • sozialer Spiegelung
  • kultureller Sicherheit
  • deinem inneren „Ich weiß, wer ich hier bin“

 

Plötzlich bist du:

 

  • die Fremde
  • die, die nicht alle Codes kennt
  • die, die ständig übersetzt – im Kopf und im Herzen

 

Dein Nervensystem steht auf Dauer-Scan.

 

Bin ich sicher?

Bin ich richtig?

Passe ich hier hinein?

 

Und genau in diesem Zustand begegnen viele hochsensible Frauen Menschen, die sich am Anfang wie ein Rettungsanker anfühlen.

 

Jemand, der:

deine Sprache spricht , dich versteht, dich auswählt...

In einer Welt, in der du dich selbst gerade nicht mehr klar oder noch nicht (wieder) spürst.

 

Wie toxische Beziehungen im Ausland entstehen

 

Toxische Menschen haben ein feines Gespür für Unsicherheit.

Nicht, weil sie Monster sind.

Sondern weil sie selbst auf Kontrolle angewiesen sind.

 

Eine hochsensible Frau im Ausland ist oft:

emotional offen - bindungsbereit - auf der Suche nach Zugehörigkeit.

Und toxische Dynamiken lieben genau das.

 

Was als Nähe beginnt, wird schnell:

 

  • Abhängigkeit
  • emotionale Verstrickung
  • ein leises „Ohne dich habe ich hier nichts“

 

Und irgendwann merkst du: Du bleibst nicht, weil es gut ist.

Du bleibst, weil es sich zu beängstigend anfühlt, auch noch diese Verbindung zu verlieren.

 

Wenn der Partner zur einzigen Heimat wird

 

Im Ausland kann eine Beziehung unmerklich zu allem werden.

Sie wird zu deiner Familie.

Sie wird zu deinem sozialen Netz.

Sie wird zu deinem Anker.

Und ja.... manchmal wird sie zu deiner Identität...

 

Das ist oft sehr schön, aber auch hochriskant zugleich.

Denn wenn dieser Mensch:

  • dich klein hält
  • dich verunsichert
  • deine Wahrnehmung verdreht
  • oder dich emotional austrocknet

dann gibt es oft keine Korrektur im Außen...

 

Also z.B. keine Freundin, die sagt:

„Das klingt nicht gesund.“

Keine Mutter, die deine Stimme hört.

Keine Umgebung, die dich spiegelt.

Du bist allein mit deiner inneren Wahrheit und die wird in toxischen Beziehungen systematisch untergraben.

 

Ich dachte, ich wäre zu sensibel

 

Ich habe mir lange selbst die Schuld gegeben.

Typische Gedanken waren:

Vielleicht bin ich einfach zu empfindlich.

Zu anspruchsvoll.

Zu schwierig.

 

Heute weiß ich: Ich war einfach in einer Umgebung (und in einer Beziehung) die meine Sensibilität nicht tragen konnte.

Und im Ausland ist es noch schwerer, das zu erkennen, weil alles ohnehin fremd ist.

Du weißt ja manchmal einfach nicht:

Ist das Kultur?

Ist das Sprache?

Oder ist das ein rotes Warnsignal?

Und so bleibt man oft länger, als gut ist...

 

 

Hochsensibilität, Migration und emotionale Abhängigkeit

 

Hochsensible Frauen spüren Stimmungen, Zwischentöne und Unausgesprochenes.

Im Ausland ist diese Wahrnehmung oft überfordert.

Zu viele neue Reize.

Zu wenig Sicherheit.

Und genau dann greifen viele auf das zurück, was sich am vertrautesten anfühlt: eine Beziehung.

Auch wenn sie schmerzt.

(Lese Tipp: Was Hochsensibilität NICHT ist)

 

Wenn du das hier liest

 

Vielleicht bist du gerade selbst im Ausland.

Vielleicht fühlst du dich entwurzelt.

Vielleicht bist du in einer Beziehung, die sich nicht richtig anfühlt.

Aber du weißt nicht, ob du dir trauen darfst.

 

Dann möchte ich dir etwas sagen, das ich selbst gebraucht hätte:

 

Du bist nicht schwach, weil du bleibst.

Du bist gerade einfach sehr allein.

Und Einsamkeit verändert Entscheidungen.

Du darfst dir selbst wieder Heimat werden

Du musst heute nichts beenden.

Nichts klären.

Nichts entscheiden.

Aber du darfst beginnen, dir selbst zuzuhören.

Deinem Körper.

Deinem Nervensystem.

Deiner leisen Wahrheit.

Manchmal ist der erste Schritt nicht, zu gehen.

Sondern sich innerlich wieder zu sich selbst zurückzuholen.

Und von dort aus wird irgendwann klarer,

welche Beziehungen wirklich Heimat sind...

und welche nur ein Ersatz dafür.

 

Wenn du jetzt erst mal einen Moment zum Durchatmen brauchst,

nutze hier die Quiet Rooms.

 

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Autorin: Bettina Müller-Farné - Herausgeberin des Liebenswert-Magazins

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